Deutsche Dahlien-, Fuchsien- und Gladiolen- Gesellschaft e.V. - gegründet 1897

Pflanze des Monats Januar

Blauglöckchen
Billardiera heterophylla syn. Sollya heterophylla

Billardiera heterophylla

Innerhalb der Ordnung der Doldenblütlerartigen (Apiales) gehört die Gattung Billardiera mit ihren 25 anerkannten Arten zur Familie der Klebsamengewächse (Pittosporaceae) - The Plant List - Stand Oktober 2017. Wie schon der Name Klebsamengewächse beschreibt sind bei Mitgliedern dieser Familie die Samen mit einer Klebschicht bedeckt. Ihre ursprünglich Verbreitung haben sie in den tropischen und subtropischen Gebieten der 'alten Welt'. Ein ebenfalls als Zierpflanze bekannter Vertreter dieser Familie ist der Chinesischer Klebsame (Pittosporum tobira) mit seinen betörend duftenden Blüten.
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Gattung Billardiera liegt in Westaustralien.
Die Art Billardiera heterophylla wird wegen ihrer ansprechenden Erscheinung inzwischen weltweit als Zierpflanze kultiviert und findet auch als Kübelpflanze Verwendung.
Besonders in Australien und Kalifornien ist sie in Gärten zu finden. In winterwarmen Klimazonen hat sie sich inzwischen aus der Gartenkultur sebständig gemacht und fühlt sich in der freien Natur so wohl, dass sie lokal schon 'Unkraut'-Charakter angenommen hat.
Der deutsche Name 'Blauglöckchen' beschreibt die Erscheinung dieser hübschen Kübelpflanze überaus treffend. In freier Natur erreicht die mehrjährige, immergrüne, kletternde Pflanze eine Höhe zwischen 1,8 bis 2,5m. In Kübelkultur können die dünnen, kletternden Triebe leicht an Rankgerüsten befestigt werden.
Die Triebe sind mit etwa 5cm langen, lanzettlich geformten, ganzrandigen Blättchen besetzt.
An den Enden der Triebe stehen Trugdolden, die sich jeweils aus wenigen Einzelblüten zusammen setzen, es finden sich jedoch auch einzelne Blüten im gesamten Verlauf der Triebe. In der Blühphase ist die Pflanze mit vielen gleichzeitig blühenden Trieben besetzt. Die kleinen glockenförmigen Blüten haben einen Durchmesser von etwa 1,5cm und sind in der Regel blau, es gibt aber auch rosa- und weiß-blühende Sorten. Die Blüte beginnt im Frühsommer und dauert, bei rechtzeitigem Hereinholen der Pflanze, bis in den Dezember hinein an.
Am Naturstandort werden nach erfolgreicher Bestäubung zylindrische, purpurfarbene Früchte von 2,5cm Länge gebildet.
Als Kübelpflanze gibt es für Billardiera heterophylla eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten. Werden die Triebe beispielsweise durch ein Rankgerüst geflochten oder um Stäbe herumgeleitet und angebunden, so bekommen die Blauglöckchenpflanzen eine eindrucksvolle Form. Die übersichtiche Größe dieser blaublühenden, grazielen Schönheit gibt die Möglichkeit sie auch auf kleineren Terrassen oder Balkonen aufzustellen. Sie kann nicht nur als Solitär genutzt, sondern auch mit anderen Kübelpflanzen als Gruppe gestaltet werden.
Neben der Nutzung als reine Zierpflanzen, werden von anderen Arten der Gattung die Beeren für den Verzehr genutzt. Zu diesem Zweck wird beispielsweise Billardiera longiflora unter der Bezeichnung Apfelbeere oder Climbing Blue Berry angeboten. Auch diese Arten werden als Kübelpflanzen kultiviert.


Weitere interessante Informationen und Quellen finden Sie hier:
wikipedia - Klebsamengewächse
wikipedia - Billardiera heterophylla
Royal Horticultural Society: Sollya heterophylla - bluebell creeper
iNaturalist - Australian Bluebell


Kultur und Pflegepraxis

Standort und Düngung
Die Herkunft der Pflanze deutet schon darauf hin, dass die Pflanze einen vollsonnigen Standort benötigt.
Billardiera heterophylla bildet zwar auch im Halbschatten Blüten, für eine überschwängliche Blütenpracht benötigt sie aber einen Standort in voller Sonne.
Regelmäßige Wasser- und Düngergaben danken die Pflanzen mit lang andauernder Blüte. Es wird auch eine kurze Trockenheit vertragen. Dauert die Trockenphase zu lang, wirft das Blauglöckchen die Blätter ab.
Die Nährstoffversorgung kann von April bis August mit einem organischen Flüssigdünger über das Gießwasser erfolgen. Als Substrat sollte auch für diese Art eine gut strukturierte Erde verwendet werden. Eine Drainageschicht am Topfboden beugt Staunässe vor.
Um die Blühperiode möglichst lang zu halten, sollten abgeblühte Blütenstände abgeknipst werden. Haben Pflanzen Samenkapseln angesetzt, wird die Blüte eingestellt, da die Pflanze ihre Energie auf die Entwicklung und Versorgung der bereits angelegten Samen richtet.

Vermehrung
Über Saatgut:
Samen von exotischen Pflanzen sind heute über das Internet leicht zu bekommen, so kann man auch Vermehrung von Blauglöckchen über Samen probieren. Eine gute Zeit für die Aussaat ist das Frühjahr mit einer Aussaattemperatur von 10-16°C. Bei der Aussaat benötigt man allerdings Geduld, die Keimung verläuft unregelmäßig und es kann - laut Erfahrungsberichten - bis zu sechs Monaten dauern, bis der Keimling erscheint. Beachten Sie auf jeden Fall die Empfehlungen des Saatguthändlers.
Über Stecklinge:
Gute Erfolge erzielt man, wenn man von den Pflanzen im späten Frühjahr oder zu Sommerbeginn nicht-holzige Stecklinge abnimmt und diese in der bekannten Art und Weise bewurzelt. Im Fachhandel sind angezogene, bereits blühende Pflanzen im Frühsommer erhältlich.

Krankheiten und Schädlinge
Das Blauglöckchen Billardiera heterophylla hat mit Krankheiten und Schädlingen wenig Probleme.
In heißen Sommern ist der Befall mit Spinnmilben möglich.

Überwinterung und Schnitt
Wie alle immergrünen Pflanzen braucht das Blauglöckchen einen möglichst hellen Standort für die Überwinterung. Er sollte +5 bis +10 °C kühl sein. Man lässt die Pflanze so lange wie möglich im Freien und holt sie erst kurz vor den Frösten ins Überwinterungsquartier. Im Winterquartier sollte sie nur ganz wenig gegossen werden - auf zuviel Feuchtigkeit reagiert sie in der Ruheperiode sehr empfindlich, der Wurzelballen darf aber nicht vollkommen austrocknen.
In geeigneten, frühlingsmilden Regionen kann die Pflanze bereits im März wieder ins Freie geholt und an einem geschützten, aber sonnigen Standort aufgestellt werden. Bei Frostgefahr muss sie aber wieder herein geholt werden. Vor dem Ausräumen ins Freiland schneidet man trockene Triebe aus und bringt die Pflanze mit leichtem Rückschnitt in Form.

Galerie



Bilder: B. Verbeek
Text: B. Verbeek, H. Wegner
Januar 2018