Deutsche Dahlien-, Fuchsien- und Gladiolen- Gesellschaft e.V. - gegründet 1897

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Kanarischer Fingerhut
Digitalis canariensis syn. Isoplexis canariensis

Digitalis canariensis

Die Gattung Digitalis gehört mit ihren 27 anerkannten Arten innerhalb der Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales) zur Familie Wegerichgewächse (Plantaginaceae).
(Plants of the world 2017)
Die Heimat der Kanarischen Fingerhüte sind die Kanarischen Inseln deren botanische Vielfalt aufgrund des variablen Mikroklimas besonders hoch ist.
Die klimatischen Bedingungen auf den vulkanischen Inseln werden vom Kanarenstrom (Teil des Golfstroms), den Höhenunterschieden 0-3715m ü.NN., den vorherrschenden Passatwinden und der Isolierung durch die geographische Lage im Atlantik bestimmt. In diesen speziellen Klimabedingungen bildete sich unter anderem die Lorbeerwaldregion aus. Durch die geographische Isolation entwickelten sich viele endemische (nur an diesem Ort vorkommende) Arten.
Ein Beispiel dafür sind die Kanarischen Fingerhüte, die mit unserem einheimischen Fingerhut (Digitalis purpurea) eng verwandt sind. Sie kommen nur auf den Kanaren und Madeira vor, bevorzugt in Lorbeer- und Baumheidewäldern bis in Höhen von 1500 m.
Ehemals wurden die Kanarischen Fingerhüte zur Gattung Isoplexis zusammengefasst. Aufgrund von DNA-Analysen zählen die Arten Digitalis canariensis, Digitalis chalcantha, Digitalis isabelliana und Digitalis sceptrum heute zur Gattung Digitalis.

Die Kanarischen Fingerhüte zeichnen sich durch starke Verholzung aus und entwickelten sich aus den krautigen, kontinentalen Digitalis-Arten. Die gelblichorangen Blüten an langen Stängeln geben der Pflanze einen eleganten, majestätischen Eindruck.
Sie stehen zu vielen, dicht an dicht in endständigen aufrechten Ähren, die 20 bis 30 cm lang werden. Hauptblütezeit ist von Mai bis September. Am Naturstandort erfolgt die Bestäubung durch blütenbesuchende Vögel wie dem Kanarischen Zilpzalp, der Samtkopfgrasmücke und dem Kanarienvogel. Die durch diese unspezifische Bestäubung erzeugte Saatgutmenge reicht zum Erhalt der Arten aus.
Die Halbsträucher werden am Naturstandort bis 1,50 m hoch, in Kultur bis 1,00 m. Die Blätter dieser immergrünen Pflanze sind wechselständig, schmal und ungeteilt und haben gezahnte Ränder.
Neben der am häufigsten vorkommenden Art Digitalis canariensis, ist besonders Digitalis isabelliana (Kanarischer Zwergfingerhut) interessant, aber kaum in Kultur. Noch seltener sind Digitalis sceptrum (Madeirischer Fingerhut) und Digitalis chalcantha (Kanarischer Gebirgsfingerhut).
Vorsicht: Giftpflanze - Kanarische Fingerhüte enthalten, wie auch die anderen Digitalis-Arten Herzglykoside und sind für den Menschen giftig.


Weitere interessante Informationen und Quellen finden Sie hier:
Digitalis - Plants of the world The International Plant Names Index and World Checklist of Selected Plant Families 2017
Digitalis canariensis- Plants of the world The International Plant Names Index and World Checklist of Selected Plant Families 2017
Digitalis chalcantha - Plants of the world The International Plant Names Index and World Checklist of Selected Plant Families 2017
Digitalis isabelliana - Plants of the world The International Plant Names Index and World Checklist of Selected Plant Families 2017
Digitalis sceptrum - Plants of the world The International Plant Names Index and World Checklist of Selected Plant Families 2017
Kanarische Fingerhüte - wikipedia
Canary Island foxglove - Oxford Plants 400, Universit of Oxford
Canary Island Foxglove - strangewonderfulthings.com, Rare and exotic plants & seeds
Flora und Vegetation der Kanarischen Inseln - wikipedia Digitalis purpurea x Digitalis canariensis - Pacific Horticulture Society
Gene der Cardenolid-Biosynthese aus Digitalis- und Isoplexis-Spezies
Dissertationschrift als pdf-download - Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg


Kultur und Pflegepraxis

Standort und Düngung
Nach dem Auszug aus dem Winterquartier ist der beste Platz für Kanarische Fingerhüte in der Sonne oder im Halbschatten.
Als Substrat eignet sich eine gute Blumen- oder Kübelpflanzenerde, anzuraten ist eine Drainageschicht auf dem Topfboden für einen besseren Wasserabzug.
Das Umpflanzen ist alle 2 bis 3 Jahre vorzunehmen.
Der Wasserbedarf im Sommer ist mittelhoch, die Erde immer leicht feucht halten und Staunässe unbedingt vermeiden. Von April bis September wöchentlich über das Gießwasser düngen.

Vermehrung
Die Vermehrung von Kanarischen Fingerhüten ist durch Aussaat oder Stecklinge möglich, Samen sind aber leider nur selten im Handel erhältlich. Stecklinge werden von April bis August geschnitten und in gespannter Luft (unter Folie) zur Bewurzelung gebracht. Jüngere Pflanzen blühen besser als alte, deshalb am besten immer für Nachwuchs sorgen.

Krankheiten und Schädlinge
Kanarische Fingerhüte sind nicht anfällig für Krankheiten, allerdings muss man besonders im Winterquartier auf Spinnmilben (Rote Spinne) achten.

Überwinterung und Schnitt
Kanarische Fingerhüte vertragen keinen Frost und sollten eingeräumt werden, wenn im Herbst der erste Frost droht. Die Pflanzen werden kühl, bei 8 bis 10° C und hell überwintert. Im Winterquartier darf die Temperatur keinesfalls längere Zeit unter 5° C absinken.
Der Umgebungstemperatur entsprechend nur so viel gießen, dass der Wurzelballen nicht völlig austrocknet.

Galerie



Bilder: M. Alter, A. Schmitt
Text: A. Schmitt, H. Wegner
Juni 2020