Deutsche Dahlien-, Fuchsien- und Gladiolen- Gesellschaft e.V. - gegründet 1897

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Mandevilla
Mandevilla syn. Dipladenia

Mandevilla - Alice Dupont

Die Gattung Mandevilla gehört zur Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae).
Zu dieser Familie gehören auch weitere bekannte Kübelpflanzen wie der Pagodenbaum (Frangipani) und der Oleander (Nerium oleander).
Auch Immergrün (Vinca) als Garten- und die Wachsblume (Hoya) als Zimmerpflanze gehören in diese Gruppe.
Allen gemein ist der in Milchröhren geführte Milchsaft. Seine Bezeichnung hat dieser von seiner meist weißen Farbe, bei den meisten Hundsgiftgewächsen ist er klar, bei der Mandevilla weiß. Die Konsistenz von Milchsaft ist eher dickflüssig und klebrig. Der Pflanze dient er zum zügigen Verschließen von Wunden, da er an der Luft schnell aushärtet. Bei den Hundsgiftgewächsen enthält er zumeist giftige Alkaloide oder Glykoside, die die Pflanze vor Fraßfeinden schützt. Aufgrund dieser Inhaltsstoffe sind alle Pflanzenteile der Mandevilla auch für den Menschen giftig.
Zur Gattung Mandevilla gehören laut The Plant List 191 anerkannte Arten (Stand Mai 2016).
Die Gattung ist in den tropischen Bereichen Mittel- und Südamerikas beheimatet. Bei den zur Gattung gehörenden Arten handelt es sich um Rankpflanzen mit hängendem, rankendem oder kletterndem Wuchs. Bei einigen Arten verholzen ältere Ranken und verleihen der Pflanze einen strauchartigen Charakter. Der überwiegende Teil der Arten wurzelt im Boden, einige Arten leben aber auch epiphytisch als Aufsitzer auf anderen Pflanzen.
Die einfachen Laubblätter sind glattrandig, gestielt und stehen gegenständig an der Sprossachse. Die Blütenstände sind als Rispen ausgebildet und treten am Sprossende oder aus den Blattachseln hervor. Sie bilden bis zu 12 trichterförmige Einzelblüten aus. Das Farbspektrum reicht von weiß, gelb, rötlich, violett bis purpur.
Die ersten Exemplare von Mandevilla laxa gelangten durch den britischen Gesandten Henry John Mandeville (1773–1861), von Argentinien nach England. Ihm zu Ehren wurde die Gattung Mandevilla benannt.
Im von repräsentativen, fremdländisch, exotischen Pflanzen begeisterten Europa des 19. Jahrhunderts, erfreute sich die Gattung großer Beliebtheit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Pflanzen als Zimmerpflanzen in gößerem Umfang gezüchtet und eingesetzt. Bis Mitte der 1980er Jahre kannte man die Art Mandevilla sanderi als Zimmerpflanze. Die Begeisterung für die Gattung erlebt seit Anfang dieses Jahrhunderts eine Renaissance. Nach und nach erobert sie als beliebte Sommerpflanze auch Balkon und Terrasse. In einigen Regionen gehört sie inzwischen auch zu den beliebtesten und robustesten Grabbepflanzungen.
Bei der Züchtung der heutigen Sorten werden vermehrt verschiedene Mandevilla-Arten eingesetzt, um interessante Eigenschaften in das gängige Sortenspektrum einzubringen. Es wurden beispielsweise die großblumige Mandevilla x amabilis, die dunkel samtig blühende Mandevilla atroviolacea, Mandevilla laxa, Mandevilla boliviensis (weißblühend) und Mandevilla splendens in die Neuzüchtungen mit einbezogen.


Weitere interessante Informationen und Quellen finden Sie hier:
Wikipedia - Mandevilla
Wikipedia - Familie der Apocynoideae
The Plant List - Kombinationsprojekt vieler namenhafter Datenbanken für Pflanzenspecies


Kultur und Pflegepraxis

Standort und Düngung
Mandevilla sind sehr wuchsfreudig. Neben der Pflanzenware im kleinen Topf gibt es daher einige Sonderformen wie Solitärpflanze am Spalier, in Pyramidenform oder als Ampelpflanze kultivierte Pflanzen zu kaufen.
Mit einem Gerüst oder auch nur ein paar Stäben als Kletterhilfe, kann die Mandevilla bei guten Kulturbedingungen im Laufe eines Sommers eine Höhe 2m oder mehr erreichen.
Mandevilla liebt eine vollsonnigen Standort, im Hochsommer unter kann es bei sehr intensiver Sonneneinstrahlung aber auch zu Verbrennungen kommen. Auf jeden Fall sollte der Wuchsfreudigkeit der Mandevilla entsprochen und ausreichend Raum, vor allem für das Wurzelwachstum, zur Verfügung gestellt werden. In einem 3-Liter-Containertopf sind keine 2m hohen Pflanzen zu erwarten. Der sehr wüchsige und üppig blühende oberirdische Pflanzenbereich, benötigt ein grosses Wurzelsystem, welches ihn mit ausreichend Wasser und Nährstoffen versorgen kann. In den Sommermonaten gehört die Mandevilla zu den Starkzehrern, und sollte mindestens 14tägig mit einen ausgeglichenem Flüssigdünger (mind im NPK-Verhältnis 8-8-6) 'gefüttert' werden.
Auch der Wasserbedarf ist im Sommer recht hoch. Wie auch andere Kübelpflanzen vertragen Mandevilla Staunässe überhaupt nicht - die Wurzeln nehmen schnell Schaden und die Pflanze geht ein. Die Mandevilla benötigt einem großen Topf, ein geeignetes Substrat mit guter Wasser- und Luftführung und eine gute Drainage am Topfboden. Der pH-Wert des Substrats sollte im sauren Bereich (unter 5,5) liegen. Mandevilla sind, insbesondere in der Anzuchtphase, relativ wärmebedürftig. Aufgrund des hohen Wärmebedarfs dieser tropischen Pflanze sollte sie im Frühjahr nicht zu zeitig ins Freie gestellt werden.

Krankheiten und Schädlinge
Bei Mandevilla gibt es – vor allem während der Anzucht – öfter Probleme mit verschiedenen Pilzerkrankungen. Zu viel Feuchtigkeit kann zu Wurzelbräune (Thielaviopsis basicola), Grauschimmel (Botrytis) und Fusarium-Befall führen. Bei der richtigen Pflege (warm und trocken) sollten diese Krankheiten keine Probleme bereiten. Wichtig für gesunde Pflanzen ist vor allem die Beachtung ihrer Ansprüchen an das Substrat. Eine durchlässige Erde und der richtige pH-Wert sind eine gute Basis für die Gesunderhaltung der Mandevilla.
Etwas spezifischer ist der Dipladenia-Mosaikvirus, der allerdings bisher kaum in Erscheinung trat. Bei Verdacht auf einen Virus bleibt leider nur die Entsorgung der Pflanze über den Hausmüll, um ein Anstecken anderer Mandevilla-Pflanzen zu vermeiden. Sicherheitshalber sollte das Pflanzgefäß auch nach Desinfektion nur noch für andere Pflanzen genutzt werden.
Tierische Schädlinge sind vor allem Läuse, in trocken-heißen Sommern aber auch Spinnmilben, die in der Regel mit Pflanzenschutzmitteln auf biologischer Basis bekämpft werden können.
Im Winter können auch Schild- und Wollläuse auftreten. Die aktuell zugelassene Mittel finden Sie unter pflanzenschutz-hausgarten.de. In Wintergärten und Gewächshäusern ist alternativ der Einsatz von Nützlingen möglich und sinnvoll, mehr Informationen hierzu finden Sie auf der Internetseite 'Gartenakademie'.

Überwinterung und Schnitt
Die Mandevilla gedeiht im Wintergarten ganzjährig, auf Balkon oder Terrasse sollte sie zeitig vor dem ersten Nachtfrost eingeräumt werden. Zum Überwintern reichen in der Regel Temperaturen von +5 bis +10°C völlig aus, je heller desto besser. Mit einem radikalen Rückschnitt kann sie allerdings auch im Keller überwintern werden. Hier ist die Ballenfeuchtigkeit auf jeden Fall zu berücksichtigen, sie darf nicht zu hoch sein, damit die Wurzeln nicht absterben, der Ballen darf aber auch nicht vollständig austrocknen.
In einem temperierten Wintergarten oder Gewächshaus, bei Temperaturen um +20C° können die Pflanzen auch über Winter weiter kultiviert werden. Da die Pflanze sich weiter entwickelt benötigt sie neben den notwendigen Wasser- auch Düngergaben. Im Winter ist der Verbrauch nicht ganz so hoch wie im Sommer, Wasser- und Düngergaben sollten entsprechend reduziert werden.
Nach dem Rückschnitt beim Einräumen, bei dem die Pflanze ohne Probleme um zwei Drittel reduziert werden kann, braucht die Mandevilla durch die geringere Verdunstungsfläche wesentlich weniger Wasser. In den Wintermonaten sollte trotz des geringeren Wasserbedarfs darauf geachtet werden, dass der Wurzelballen nicht vollständig austrocknet. Um sie im Frühjahr wieder zu 'wecken' kann sie ab März wieder hell und wärmer gestellt werden. Bei milder Witterung kann sie tagsüber auch schon im Freien stehen. In dieser Zeit muss die Pflanze vor der prallen Sonne geschützt werden, da das Laub nach dem Aufenthalt im Haus keine Schutzschicht mehr gegen die harte UV-Strahlung hat und mit Sonnenbrand (Verbrennungen) gerechnet werden muss.
Abgestorbene Triebe sollten heraus geschnitten werden, zu lange Triebe, die im Winter zum Licht 'geschossen' sind, sollten ebenfalls eingekürzt werden.
Die Pflanze kann mit frischer Erde beim Wachstum unterstützt werden, benötigt dann aber nicht zwangsläufig auch einem größeren Topf. Wenn man die Pflanze nicht in einen neuen Topf setzen will oder muss, reicht es, sie aus dem Topf zu nehmen, die alte Erde etwas abzuballieren und durch frische Erde zu ersetzen. Beginnt die Pflanze wieder mir ihrem Wachstum, kann auch mit vorsichtigem Düngen begonnen werden.

Galerie



Bilder: M. Kleinau, G. Kleinau, B. Verbeek, M. Alter
Text: M. Alter, H. Wegner
Juni 2016