Deutsche Dahlien-, Fuchsien- und Gladiolen- Gesellschaft e.V. - gegründet 1897

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Zitruspflanzen
Citrus

Citrus Blüte und Frucht

Die Gattung Citrus gehört zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae) und umfasst 33 Arten (The Plant List, Mai 2016).
Bei Zitruspflanzen handelt es sich um baum- oder strauchartige Gewächse aus offenen Wäldern, Dickichten oder strauchigen Regionen mit winterwarmen Klima und hoher Lichtintensität. Als Ursprungsregion werden unterschiedliche Regionen angenommen. Unter anderem werden Malaysia, die südlichen Ausläufer des Himlalaya, Indien und das westliche China als Ursprungsgebiete publiziert. Demnach liegen die angenommenen Gebiete im westlichen bis mittleren südasiatischen Raum. Von dort aus verbreiteten sich die Citrusgewächse Richtung Osten und in Richtung Persien und im gesamten Mittelmeerraum. Einen großen Anteil an der Verbreitung und dem Austausch zwischen den bestehenden Verbreitungsgebieten hat der Mensch, der die Pflanzen seit Jahrtausenden als Kulturpflanzen nutzt und züchtet. Zu den Besonderheiten der Gattung gehört, dass Zitruspflanzen Nachkommen bilden können, die genetisch mit der Mutterpflanze identisch sind, relativ häufig spontane genetische Veränderungen - auch Verdopplungen des Chromosomensatzes - auftreten und dass alle Citrusarten untereinander kreuzbar sind.
Aus diesen Besonderheiten ergeben sich viele interessante Aspekte, die hier leider den Rahmen sprengen würden und die Abgrebzung zwischen Arten, Sorten und Hybriden schwierig machen.
Derzeit wird von etwa 16 Arten Innerhalb der Gattung ausgegangen. Für den gärtnerischen Ansatz ist eine hilfreiche Einteilung nach R. W. Hodgson bei wikipedia zu finden. Die Pflanzen werden in die Gruppen Mandarinen, Orangen, Pampelmusen, Limetten, Zitronen, Zitronatzitrone und Kumquats eingeteilt. Im Bereich 'Gärtnerische Systematik' werden die einzelnen Gruppen in Wort und Bild näher beschrieben.
In unsere Breiten haben die nicht winterharten Citruspflanzen mit dem Aufkommen repräsentativer Gartenanlagen ihre Verbreitung angetreten. Eigens für ihre Überwinterung wurden die - nach ihnen benannten - lichtdurchfluteten, beheizbaren Orangerien entwickelt. Die Pflanzen und ihre Früchte repräsentierten in den Gärten, Parks und an der Tafel den gehobenen Status ihres Besitzers.
Auch heute noch faszinieren die Pflanzen mit gleichzeitig auftretenden wohlduftenden Blüten und Früchten. Die Früchte benötigen für die Reife etwa ein Jahr.

Kultur und Pflegepraxis

Vermehrung und Aufzucht
Zitruspflanzen werden zumeist als Pflanzen erworben. Diese Pflanzen sind meist veredelt und fruchten bereits.
Eine Aussaat im Frühjahr bei 16°C ist möglich, die Pflanzen fruchten jedoch häufig erst nach fünf bis zehn Jahren und sind aufgrund ihrer genetischen Voraussetzung meist nicht sortenrein - es ist also nicht vorhersagbar, welche Eigenschaften die Früchte haben werden. Für Sortenvermehrung von Zitruspflanzen werden halbverholzte Stecklinge im Sommer bewurzelt oder Steckhölzer auf geeignete Unterlagen veredelt.

Standort und Düngung
Damit die Pflanze kräftige Triebe ausbildet sollte sie an einem warmen, sonnigen und zugfreien Platz stehen. Eine häufige Standortveränderung - beispielsweise durch Drehen der Pflanzen - lieben Zitrusfrüchte gar nicht.
Als Pflanzgefäß eignet sich ein nicht zu großer Topf oder Kübel, vorzugsweise aus Naturmaterialien wie Holz oder Ton. Sie fördern die Verdunstung von Wasser durch die Gefäßwände und wirken einer Überhitzung des Wurzelballens entgegen. Zudem ist die Wurzelbildung beispielsweise in einem Topf aus Ton wesentlich besser als in Gefäßen aus Kunststoff, da der Wurzelballen darin "atmen" kann.
Da Zitruspflanzen keine Staunässe vertragen, keinesfalls Untersetzer unterstellen - Füße unter dem Gefäß sind für den Ablauf von überschüssigem Wasser empfehlenswert.
Das Substrat sollte durchlässig und mit einem ausreichend hohen Tonanteil versehen sein. Für Zitruspflanzen werden spezielle Mischungen im Handel angeboten, die eine ausreichende Wasserhaltefähigkeit besitzen und helfen Staunässe zu vermeiden. Für Letzteres ist auch eine Drainage im unteren Bereich des Topfes sinnvoll. Ein Umtopfen der Pflanze ist erst nötig, wenn Wurzeln unten aus dem Topf heraus wachsen. Während der gesamten Vegetationszeit sollte die Pflanze einmal wöchentlich - am besten mit einem organischen Flüssigdünger für Zitrusgewächse - gedüngt werden.
Besonders im Frühjahr und im Herbst benötigt die Pflanze für ihren Zuwachs Nährstoffe und Wasser. Während der winterlichen Ruhephase wird nicht gedüngt. Im Sommer etwa einmal die Woche durchdringend gießen und das überschüssige Wasser ablaufen lassen. Benötigt die Pflanze mehr Wasser zeigt sie dies durch leichtes Einrollen der Laubblätter an.

Schädlinge
Bei Schädlingen ist - insbesondere während der Überwinterungsphase - auf rote Spinne, Spinnmilben, Blatt- und Schildläuse zu achten. Roter Spinne und Spinnmilben können Sie durch eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit in der Überwinterungsumgebung vorbeugen. Beim Bekämpfen der Schädlinge können sie auf biologische Präparate aus dem Fachhandel zurückgreifen. So schonen Sie die Umwelt und können die Früchte der Pflanzen weiterhin geniessen. Beachten Sie unbedingt die Herstellerangaben.

Überwinterung
Zitruspflanzen können auf unterschiedliche Arten überwintert werden. Verläßlich kann dies in einer mit Zitrusgewächsen erfahrenen Gärtnerei geschehen, die die Überwinterung für Sie übernimmt. Sollen die Zitrusfrüchte verzehrt werden, sollten Sie dies auf jeden Fall wegen möglicher Pflanzenschutzbehandlungen mit der Gärtnerei absprechen. Eine solche Überwinterung kann je nach Pflanzengröße erhebliche Kosten verursachen.
Kleine Exemplare können bei ausreichender Luftfeuchte und Licht als im Zimmerpflanze überwintert werden.
Größere Exemplare finden einen Überwinterungsplatz im hellen, nicht zu warmen Wintergarten oder Gewächshaus. Die Temperatur im Wurzelballen der Pflanze sollte bei etwa 10-15°C liegen. Auch das Gießwasser sollte keinesfalls kühler sein, da eine niedrigere Wurzeltemperatur einen Rückgang der Wurzelaktivität bewirkt und die Pflanze nicht genügend Wasser aufnehmen kann, um ihren Bedarf zu decken. Die Folge sind Frucht- und Blattfall. Geben sie so viel Wasser, dass die Pflanze immer etwas aufnehmen kann, aber der Ballen nicht feucht ist. Besonders wenn die Lichtintensität am Tag hoch ist, steigen Temperatur und Stoffwechselrate in den Blättern und der Wasserbedarf steigt. Tendenziell sollte man den Pflanzen einen 'kühlen Kopf' bei 'nicht-auskühlendem Fuß' bieten.
Kühle Umgebungstemperaturen fördern die Blütenbildung. Das Einräumen der Zitrusgewächse sollte wegen der Temperaturempfindlichkeit zeitig genug geschehen, auch wenn kurzfristig kühle Temperaturen die Pflanze nicht sofort umbringen. Im letzteren Fall kann der Wurzelballen mit warmem Gießwasser wieder erwärmt werden, damit die Wurzeln aktiv bleiben.

Schnittmaßnahmen
Wie beim Obstbaumschnitt im allgemeinen, gibt es auch bei den Zitrusgewächsten den Aufbauschnitt und den Erhaltungsschnitt. Beim Aufbauschnitt sollten die jungen Trieben in der Hauptwachstumsphase drei bis vier mal entspitzt werden, damit sie sich gut verzwiegen.
Der Erhaltungsschnitt oder Pflegeschnitt wird im Februar oder März durchgeführt, um die Krone in Form zu bringen oder das Größenwachstum etwas einzudämmen. Zitrusgewächse bilden hin und wieder Wassertriebe aus, die zum Verjüngen oder Neuaufbau von Kronenregionen genutzt werden können.

Galerie



Bilder: M. Alter, H. Wegner
Text: B. Verbeek, H. Wegner
November 2014