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Geschiche der Kübelpflanzen
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Die Kultur von Pflanzen außerhalb
des Erdbodens in verschiedenen Gefäßen reicht weit in der Geschichte
zurück. Schon im alten Ägypten wurden Pflanzen in Gefäßen
kultiviert, wie auf Darstellungen aus der Zeit um 2500 v.Chr. zu sehen
ist. Diese Pflanzen wurden sowohl für Dekorationen als auch für
kultische Zwecke verwendet. Auf Abbildungen sind z.B. Boswellia - und Commiphora
- Arten zu erkennen. Diese Weihrauchpflanzen waren in Ägypten nicht
heimisch., d.h. es wurden nicht nur heimische, sondern auch ausländischer
Pflanzen in Gefäßen , vor allem aus Ton, kultiviert. Die Tontöpfe
waren meist reich dekoriert und hatten auch schon Wasserabzugslöcher.
Auf Wandbildern von 1490 v.Chr. ist sogar eine Expedition abgebildet, die
Weihrauchbäume nach Ägypten bringt.
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Auch in der minoischen Kultur (um 1500
v. Chr.) hatten Pflanzen in Gefäßen auf Kreta Bedeutung. In
Assyrien und Babylon wurden sowohl heimische als auch ausländische
Pflanzen in Gefäßen kultiviert (um 800 v.Chr.). So waren sie
sicher auch ein Bestandteil der „Hängenden Gärten von Babylon“
unter Nebukadnezar II., der von 606 - 562 v. Chr. lebte.
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Zur Zeit von Perikles (494 - 429 v.Chr.)
war diese Art, Pflanzen zu kultivieren auch in Griechenland bekannt und
beliebt. Man versah ganze Dachgärten mit Bäumen und Sträuchern
in Gefäßen. Sogar ein Prachtschiff war mit Rabatten und Pflanzungen
versehen. Auch in der frühen römischen Republik fanden Kübelpflanzen
in den Atrien Verwendung. Ebenso in den arabischen Gärten dieser Zeit.
Im 7.Jahrhundert n.Chr. kam die arabische Gartenkultur, und damit auch
die Kultur von Pflanzen in Gefäßen nach Südeuropa, was
noch heute z.B. in der Alhambra in Spanien zu sehen ist.
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Auch in Japan und China wurden schon früh
Pflanzen in Gefäßen kultiviert, wie auf bereits 1000 Jahre alten
Gemälden zu sehen ist. Als Gefäße wurden hier reich verzierte
Keramiken, aber auch Holzkübel und flache Schalen verwendet. Zu einer
eigenen Philosophie entwickelten zuerst die Chinesen, dann jedoch in Vollendung
die Japaner die Kultur der Bonsais, die sich heute in Mitteleuropa einer
gewissen Beliebtheit erfreut.
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Die Kultur von südländischen Pflanzen nördlich der Alpen hat
ihre ersten belegbaren Beispiele in den Gärten des Hochmittelalters.
Allerdings ist anzunehmen, daß schon nach der Völkerwanderung
einige Pflanzen ihren weg in die Klostergärten Mitteleuropas gefunden
hatten. Schon im 14. / 15. Jahrhundert war die Verwendung von Pflanzen
in Kübeln in den Gärten des Adels üblich. Häufig wurden
diese Kübel an herausragenden Stellen des Garten, z.B. bei Rasenbänken;
plaziert. Es wurden vor allem heimische Pflanzen in Kübeln verwendet,
wie z.B. Lilien, Nelken und Iris, aber auch nicht alltägliche Pflanzen.
Diese Pflanzen zeichneten sich jedoch weniger durch ihre fremde Herkunft
als viel mehr durch ihre Wuchsform aus. Erwähnt seien hier zum
Beispiel die Etagenbäume.
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Die Entwicklung hin zu außergewöhnlichen
Pflanzen wurde durch das erwachende naturwissenschaftliche Interesse gefördert.
Die Erwähnung fremdländischer Pflanzen in der zeitgenössischen
Dichtung weist aber auf die Pflanzen orientalischer Gärten hin
und nicht auf heimische Anlagen. Zum Ende des Mittelalters entsteht immer
mehr der Wunsch nach seltenen Pflanzen aus anderen Ländern. Als Vorbild
dafür dienten die seit dem 14. Jahrhundert entstehenden Botanischen
Gärten mit ihren immer umfangreicher werdenden Sammlungen. Neben diesen
waren jedoch die italienischen Renaissancegärten des 15. Und frühen
16. Jahrhunderts ein entscheidender Antrieb für das sammeln und Verwenden
von ausgefallenen Pflanzen. In diesen italienischen Gärten waren Statuen,
Zitruspflanzen in Terrakottagefäßen und andere Exoten wichtige
Stilelemente. Noch heute kann man klassische Beispiele dieser Art der Gartenkultur
bewundern, z.B. in der Toscana und in Rom
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Italien spielte nicht nur als Anreger für
Sammlungen, sondern auch als Pflanzenvermittler und Lieferant zu dieser
Zeit eine wichtige Rolle. Und auch heute noch sind die Baumschulen, z.B.
in der Toscana, wichtige Lieferanten für Kübelpflanzen und ausgefallene
Gehölze.
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Zu dieser Zeit begann in Mitteleuropa (nördlich
der Alpen) auch der Import der „klassischen Kübelpflanzen“ wie Feige,
Lorbeer, Granatapfel, Oleander und nicht zuletzt natürlich auch der
Zitrusarten, von denen die Orange den Namen für die damit notwendig
werdenden Überwinterungsräume gab. Die ‘Orangerie’ war geboren.
Nördlich der Alpen enstehen jetzt auch große Pflanzensammlungen,
so z.B. in Heidelberg, Dresden, Stuttgart, Prag und Wien. Vorbildlich wirkte
in dieser Hinsicht Kaiser Rudolf II. (1552 - 1612), der an seinem Hof ausgedehnte
Gärten anlegte und Gärtner und Botaniker seltene Pflanzen für
sich sammeln ließ. |
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Aber nicht nur der Adel, sondern auch das
Bürgertum mit ihren bedeutenden Familien hatte ein stattliche Anzahl
von Kübelpflanzen schon im 16. Jahrhundert in Kultur. Neben einem
großen Teil mediterraner Arten wurden noch bis ins 17. Jahrhundert
schön blühende heimische Pflanzen in Kübeln kultiviert.
Bedeutende Bürgergärten sind aus Nürnberg, Augsburg, Fürth,
später auch aus Frankfurt, Breslau, Leipzig und anderen Orten bekannt.
Eine sehr berühmte Sammlung dieser Zeit ist die des Nürnberger
Stadtarztes Joachim Camerarius (1534 - 1598). Einige dieser Pflanzen sind
auch im „Hortus Eystettensis“ (Nürnberg 1613) abgebildet.
Das für das 16. Jahrhundert charakteristische
botanisch-naturwissenschaftliche Sammeln weicht in der folgenden Zeit nun
der Verwendung der Kübel vor allem als gartenarchitektonisches Mittel.
Einheitlich gestaltete Kübel werden geradezu als künstlerisches
Element verwendet.
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In den Barockgärten hat die Kultivierung und Präsentation von Pflanzen
und Kübeln ihren Höhepunkt.Ein beeindruckendes Beispiel für
die gestalterische Leistung dieser Zeit sind ohne Zweifel die Parkanlagen
von Versailles, die unter Ludwig XIV. Entstanden. Aber auch die Anlagen
von Herrenhausen und Nymphenburg muß man hier als weitere Beispiele
erwähnen. Da die meisten verwendeten Exoten nicht winterhart waren,
mußten Überwinterungsräume geschaffen werden. Es entstanden
die Orangerien, die dann in den Barockgärten zu sehr wichtigen Gartenelementen
wurden. Der Beginn liegt etwa Anfang 1600. Zuerst wurden diese Räume
als Rollhäuser, bzw. als abschlagbare Orangenhäuser konzipiert.
Nach und nach wurden sie zu eigenen festen Bauwerken. Sie entwickelten
sich von reinen Nutzbauten zu oft hübschen Repräsentationsgebäuden,
die gestalterisch als Element in die Parkanlagen einbezogen wurden und
im Sommer sogar als Fest - und Speisesaal Verwendung fanden. In vielen
Anlagen wurden dabei die Kübelpflanzen nicht nur bei den Orangerien
sondern auch als „Wegbegleiter“ in die Gestaltung einbezogen.
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Mit der Entwicklung einer neuen Sammelleidenschaft
im 19. Jahrhundert änderte sich auch die Verwendung der Kübel
in Gärten und Parks. Die Präsentation von schön blühenden,
besonderen Pflanzen tritt in den Vordergrund. Hierbei stehen die Kübel
sowohl einzeln als auch in Gruppen, oder sie werden auf Stellagen
in mehreren Ebenen angeordnet. Nun beschränken sich die Kübelpflanzen
nicht mehr nur auf Parkanlagen und parkähnliche Gärten, sondern
tauchen auch in Villen - und Landhausgärten auf.
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Mit der Entwicklung von heizbaren Glashäusern
im 19. Jahrhundert war die Möglichkeit für die Kultur besonders
kälteempfindlicher Pflanzen geschaffen. Durch Erkundung der Kontinente
und eifriges Sammeln fand eine Bereicherung des Sortiments statt, vor allem
durch Pflanzen Südafrikas und Amerikas. Der Höhepunkt der Pflanzeneinfuhren
lag in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurden aber
nicht nur viele Kübelpflanzen, sondern auch viele Gehölze eingeführt.
Die Kübelpflanzen fanden ihren Platz in Wintergärten und Palmenhäusern,
aber auch im Sommer im Freien. Sie waren ein wichtiges Gestaltungselement
in den Villen - und Landhausgärten des 19. Und beginnenden 20. Jahrhunderts.
Mit den beiden Weltkriegen und ihren Folgen fand dies jedoch ein vorläufiges
Ende. In den letzten Jahren ist jedoch eine Renaissance der Kübelpflanzen
zu beobachten. Dies hat seinen Grund zum einen im verstärkten Bau
von Wintergärten, z.B. als „grünes Wohnzimmer“, zum anderen in
dem Wunsch, auf Balkon und Terrasse mit Kübelpflanzen südliches
Flair zu schaffen. |
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Hiermit möchte ich meinen kleinen
geschichtlichen Überblick beenden. Zum Abschluß habe ich noch
eine kleine Tabelle mit den Einfuhrjahren einiger Pflanzen.
Aus dem Mittelmeergebiet
1548 Dianthus caryophyllus (Nelke)
Cupressus sempervirens var. sempervirens
(Zypresse)
1596 Nerium oleander (Oleander)
Nord-bzw. Mittelamerika 
1561 Agave americana (Agave)
1573 Tagetes patula (Tagetes)
Südamerika
1686 Tropaeolum majus (Kapuzinerkresse)
1784 Aloysia triphylla (Zitronenstrauch)
1823 Fuchsia magellanica (Scharlachfuchsie)
Südafrika
1629 Agapanthus africanus
(Schmucklilie)
1690 Pelargonium - Arten („Geranien“)
1752 Dimorphotheca - Arten (Kapkörbchen)
1818 Plumbago auriculata (Bleiwurz)
Ostafrika
1880 Impatiens walleriana
(Fleißiges Lieschen)
Australien / Neuseeland
1788 Callistemon citrinus
(Zylinderputzer)
1789 Phormium tenax (Neuseeländer
Flachs)
Pittosporum tenuifolium (Klebsame)
1810 Eucalyptus globulus (Blaugummibaum)
Japan
1739 Camellia japonica (Kamelie)
1783 Aukuba japonica (Aukube)
China
1844 Trachycarpus fortunei
(Hanfpalme)
1891 Jasminum polyanthum (Jasmin)
Text: Ulrich Herzog
Quellen : Hegi „Flora
Mitteleuropas“, Kawollek „Kübelpflanzen“
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