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Klimazonen und Winterhärte
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Dass im Rheinland das Frühjahr immer ein wenig früher kommt als in Oberbayern hat sich herumgesprochen. Auch dass zwischen dem Beginn der Apfelblüte im Oberrheingraben und dem auf den Höhen des Südschwarzwaldes etwa ein Monat liegt, ist bekannt. Die winterlichen Anforderungen an unsere Fuchsien sind ohne jede Diskussion an der Nordseeküste andere als im Raum München. Viele der in England erfolgreichen winterharten Sorten erfrieren in Thüringen oder Sachsen. Gibt es in diesem komplexen Bild einen Anhaltspunkt, der mir hilft, Erfahrungen zum Thema Winterhärte aus anderen Regionen auf meinen Wohnort zu übertragen?
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Ja, es gibt einen recht brauchbaren Anhaltspunkt und das ist die Klimazonenkarte. Sie wurde zuerst vom amerikanischen Landwirtschafts-Ministerium (US Department of Agriculture) für Nordamerika entwickelt und umfasste dort zehn Zonen, die jeweils von - 50 0F und darunter (Zone 1) bis + 40 0F und darüber (Zone 10) reichten. Gemessen werden die Temperaturen zwei Meter über dem Boden. Aus den absoluten Minimaltemperaturen eines Jahres wird über die Jahre der Durchschnitt errechnet, das mittlere jährliche Minimum der Lufttemperatur.
Im Jahre 1984 veröffentlichten W. Heinze und D. Schreiber in den Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft eine an die USDA-Karte angelehnte Zoneneinteilung für Europa. Sie werteten Temperaturen aus ganz Europa aus, rechneten die amerikanischen Grenzwerte von Grad Fahrenheit in Grad Celsius um und erweiterten die Karte um die Zone 11 zum wärmeren hin.
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Zone - untere Grenze (in 0C) - obere Grenze (in 0C)
01 - unter - 45,5
02 - 45,5 - 40,1
03 - 40,0 - 34,5
04 - 34,4 - 28,9
05 - 28,8 - 23,4
06 - 23,3 - 17,8
07 - 17,7 - 12,3
08 - 12,2 - 6,7
09 - 6,6 - 1,2
10 - 1,1 + 4,4
11 - über 4,4 -
Um genau zu sein, werden die jeweiligen Zonen noch einmal unterteilt in Halbzonen; also beispielsweise:
6a - 23,3 - 20,6
6b - 20,5 - 17,8
7a - 17,7 - 15,0
7b - 14,9 - 12,3
Für die Zwecke dieser Broschüre reicht es, sich auf die Zonen zu konzentrieren. Zum einen: Halbzonenkarten werden recht unübersichtlich. Und zum anderen: Die vorgestellten Fuchsien bieten genügend Winterhärte, um jeweils in den gesamten Zonen wachsen und blühen zu können.
Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen meist in der Zone 7, im Alpenraum auch in der Zone 6; einige milde Gebiete wie die norddeutschen Küstenregionen, das Rheinland und der Bodensee liegen in der Zone 8.
Die Zonenangaben in unserer Übersicht repräsentieren die jeweils kälteste mögliche Zone der Kultivierung. Per Definition von Heinze und Schreiber besteht innerhalb dieser Zone eine Wahrscheinlichkeit von etwa 80 %, mit der die Pflanzen einen Winter überleben. Auf Grund der Erfahrungen mit den vorgestellten Arten und Sorten dürfte die Wahrscheinlichkeit jedoch deutlich über 80 % liegen. In einer höheren Zone steigt die Wahrscheinlichkeit. Aber: selbst in einer kälteren Zone können die Pflanzen bei guten mikroklimatischen Bedingungen und günstigem Standort überleben. Ebenso wenig kann das Überleben in einer wärmeren Klimazone bei entsprechend widrigem Standort garantiert werden.
So bildet beispielsweise das so genannte Weinbauklima für sehr früh austreibende Sorten eine gewisse Gefahr. In wärmeren Gefilden kann ein milder Winter zu frühzeitigem Austrieb führen. Späte Fröste können dann zur Schädigung der Pflanzen führen.
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Die Erfahrung zeigt aber auch, dass der Zustand der Pflanzen zum Zeitpunkt der Auspflanzung, der Zeitpunkt der Auspflanzung selbst und die Düngung, bzw. Nicht-Düngung im Herbst entscheidend für das Überleben der Pflanzen im Winter sind.
Je kräftiger die Pflanze ist, desto größer ihre Chance zum Überleben. Wer Jungpflanzen aus einem 6-er Topf auspflanzt, hat aller Wahrscheinlichkeit nach sein Geld und seine Mühe zum Fenster heraus geworfen. Je älter die Pflanze, je kräftiger ihr Wurzelwerk, desto besser. Als Faustregel gilt: mindestens eine normale Überwinterung im Keller, dann erst auspflanzen!
Je früher eine Pflanze ausgepflanzt wird, desto mehr Zeit hat sie, sich zu akklimatisieren und kräftige Wurzeln zu bilden. Natürlich muss der Zeitpunkt nach dem letzten Nachfrost liegen. Die zweite Maihälfte und der Juni sind die beste Pflanzzeit! Eine Auspflanzung im Juli ist zwar noch machbar, birgt aber ein größeres Risiko.
Wichtig ist eine richtige Düngung im Herbst. Werden die ausgepflanzten Fuchsien im Spätsommer oder Herbst noch mit Stickstoff (N) gedüngt, bilden sie junges Gewebe, das bei tieferen Temperaturen zerstört wird. Die Pflanzen müssen im Herbst Zeit haben auszureifen. Das bedeutet, dass alles was das Wachstum "hemmt", die Ausreifung und damit die Winterhärte fördert. Also: Düngung rechtzeitig einstellen!
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Irgendjemand sagte einmal, auch Pflanzen seien Individuen. Und das ist richtig. Pflanzen der gleichen Sorte können ganz unterschiedlich reagieren. Wenn also wider Erwarten einzelne Pflanzen den Winter nicht überstehen sollten, sollte man nicht den Mut verlieren.
Die meisten der vorgestellten Arten und Sorten ertragen die Zone 6, einige wenige sind nach dem heutigen Erkenntnisstand nur für die Zone 7 oder höher geeignet. Entsprechende Hinweise sind in der jeweiligen Vorstellung zu finden.
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