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Die Entdeckung und Verbreitung der Fuchsie
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Der erste Europäer, der bewusst eine Fuchsie sah, war der französische Mönch
und Botaniker Charles Plumier. Auf der Suche nach Chinin entdeckte er
1695 auf der Insel Hispanola die erste Fuchsie. Hispanola ist die Insel in
der Karibik, auf der sich heute die Staaten Haiti und Dominikanische Republik
befinden.
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Charles Plumier wurde 1646 in Marseille geboren, trat mit sechzehn Jahren in den
Jesuitenorden ein und studierte in Toulouse und Rom Mathematik und Botanik.
Zurück in seiner Heimat begann er unter der Anleitung des Botanikers Tournefort
in den Alpen und in der Provence Pflanzen zu sammeln. Hier entwickelte er das Ziel,
ein Werk zu schreiben, in dem alle bekannten Pflanzen dargestellt werden sollten.
Der Arzt Josephe Donat Surian, der auf den Antillen vor allem nach Chinarinde
(Chinin) suchen sollte, nahm Plumier 1689 vor allem wegen seines Zeichentalents
mit auf die Reise. Auf Martinique und Haiti erstellte Plumier so gute Zeichnungen,
dass er nach Rückkehr zum königlichen Botaniker ernannt und erneut nach Westindien
geschickt wurde. Auf einer dritten Reise schließlich fand er schließlich 1695 eine
neue Pflanze, die er in seinem 1703 erschienenen Werk 'Nova Plantarum Americanarum
Genera' beschrieb. Er nannte sie 'Fuchsia triphylla flore coccinea'.
Charles Plumier
verstarb 1704 bei Cadiz.
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Er benannt die neue Pflanze nach dem in Tübingen von 1535 bis 1566 lehrenden
Mediziner und Botaniker Leonhart Fuchs, der vor allem durch sein umfangreiches
Kräuterbuch bekannt geworden ist. Leonhardt Fuchs hat also ‚seine' Fuchsie selbst
nie gesehen.
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Leonhart Fuchs wurde 1501 in Wemding im Nördlinger Ries geboren.
Mit 5 Jahren verlor er seinen Vater. Die Mutter schickte ihn zunächst nach
Heilbronn zur Schule, dann nach Erfurt, wo er mit 12 Jahren an der dortigen
Universität immatrikuliert wurde und den Grad eines Baccalaureus artium erwarb.
Mit 16 Jahren eröffnete er in Wemding eine gelehrte Schule, ging aber nach zwei
Jahren auf die Universität Ingolstadt, um weiterhin klassische Sprachen zu studieren.
Mit 20 Jahren erwarb er den Magister-Grad und 1524 wurde er zum
Doctor medicinae promoviert. 1535 folgte er einem Rufe nach Tübingen.
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Hier war er als hoch angesehener, aber wohl auch gefürchteter Professor siebenmal
Rektor und war an der Neuorganisation der Universität maßgeblich beteiligt.
In der Medizin sah er es als eines seiner Hauptziele an, die arabische Medizin
durch die griechische zu ersetzen. Leonhart Fuchs starb in Tübingen im Jahre
1566 nach einem von rastloser, vielseitiger Arbeit und mannigfachen Kämpfen
erfüllten Leben. Er schrieb mehr als 40 Bücher, ferner entstammen seiner
Feder ein Dutzend Streitschriften, vor allem medizinischen Inhalts, beginnend
bereits 1530 mit den "Errata recentiorum medicorum", die ihn rasch berühmt
machten. Die meisten Schriften von Leonhart Fuchs sind längst vergessen,
während sein Buch "De historia stirpium commentarii" (1542) heute noch zu
den bedeutendsten Werken der botanischen Literatur zählt. Es ist ein Band
von fast 900 Seiten im Folioformat mit 511 vorzüglichen Holzschnitten
illustriert. Im Jahre darauf erschien es auch in deutscher Sprache.
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John V. Porter, ehemals Präsident der britischen Fuchsiengesellschaft,
zweifelt in seiner Geschichte der Fuchsien in Europa
(Jahrbuch 2003 der DDFGG, S. 133 ff.) an, dass die bisher dargestellte
Geschichte der Entdeckung der Fuchsie tatsächlich die früheste Begegnung
eines Europäers mit dieser Pflanzengattung gewesen sei. Er berichtet,
dass George Handisyd, Chirurg an Bord des Schiffes Modena, um 1689 drei
Thilco genannte Pflanzen (= F. magellanica) als Herbare an Sir Hans Sloane
nach London geschickt hat. Diese Pflanze wurde 1709 - 1711 von einer französischen Expedition
wieder entdeckt und 1725 von Louis Feuille gezeichnet.
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Dennoch bleibt Plumier der Ruhm, die Pflanze benannt zu haben.
Denn auf seiner Beschreibung beruhen die Angaben in
Carl von Linnes
Grundlagenwerk 'Species Plantarum', das die moderne Taxonomie
(Einordnung der Lebewesen in systematische Einheiten auf Grund ihrer
verwandtschaftlichen Beziehungen) begründete.
Nach den ersten wissenschaftlichen Beschreibungen der Fuchsie geriet sie
aber mehr oder weniger wieder in Vergessenheit.
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Es dauerte lange, bis die ersten lebenden Fuchsienpflanzen nach Europa kamen;
erst 1788 brachte ein Captain Firth einige Exemplare der
Fuchsia coccinea aus
Brasilien nach England mit und gab sie an Kew Gardens in London weiter.
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Im Jahr darauf vermehrte James Lee von den Vineyard Nurseries in Hammersmith bei
London erstmals Fuchsien und brachte sie in den Handel. Wie er an die Fuchsien kam,
ist unklar und Gegenstand einer reichen Legendenbildung.
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Im gleichen Jahr 1789 wurde
das Bild in Curtis Botanical Magazin gedruckt - das
erste gedruckte Bild einer Fuchsie.
Mit diesem Druck begann aber auch eine lange Geschichte der Verwechslungen.
Denn er zeigt zwar korrekt die von James Lee vermehrte F. coccinea,
benennt sie aber als F. magellanica (Thilco).
Pflanzenjäger brachten in den Folgejahren immer neue Exemplare unterschiedlicher
Arten der Gattung Fuchsia nach Europa. Es lässt sich herrlich streiten,
wer wann welche Art eingeführt und vermehrt hat.
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Im größeren Stil begann die Fuchsienzüchtung im 19. Jahrhundert.
Die bekanntesten Züchter dieser Zeit waren der Franzose Victor Lemoine,
der von 1823 bis 1911 lebte und eine Gärtnerei in Nancy betrieb.
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In England war es
James Lye, 1830 bis 1906, der Züchtungen mit klaren Farben hervorbrachte.
Einige der Sorten von Lemoine und Lye sind noch heute erhältlich.
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Ein wesentlicher Durchbruch mit Züchtungen erfolgte 1842,
als ein zufälliger Sämling mit ganz weißem Tubus und Kelchblättern gefunden wurde.
Ende der 1970-er Jahre wurden durch Einkreuzung der F. excorticata die ersten
auberginefarbenen Züchtungen gewonnen und damit das bis dahin vorhandene
Farbspektrum von Rot, Weiß und Violett erweitert. Ob es eines Tages gelingen wird,
auch das Gelb, das ja in F. procumbens vorhanden ist, die Farbpalette der
Fuchsienzüchtungen verbreitern wird, ist abzuwarten.
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Bilder aus der CD:
Arthur J. Tickner, The Genus Fuchsia, Margam Park 2004
Text: Manfried Kleinau
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