Home   Kontakt   Impressum    
Deutsche Dahlien-, Fuchsien - und Gladiolen-Gesellschaft eV. 

Seit 1897 Liebhabergesellschaft für Pflanzenfreunde.  Auch für Freunde der Kübelpflanzen
 
 
DDFGG-Homepage

 
 
 
Dahlien - Geschichte - Einzug nach Europa
Die Dahlie erobert Europa
Die ersten Dahliensamen gelangten im Rahmen einer botanischen Expedition der beiden berühmten Botaniker Martín de Sessé und José Mociño im Jahre 1789 nach Europa.
Der Leiter des Botanischen Gartens von Mexiko, Don Abbé Vincentes Cervantes schickte verschiedene Pflanzen, welche im Rahmen einer botanischen Expedition gesammelt wurden, an den Botanischen Garten von Madrid.
Die ersten mexikanischen Pflanzen aus dieser Sendung kamen 1790 in Europa zur Blüte. Der Botaniker Antonio José Cavanilles untersuchte die Pflanzen nach ihrer Ankunft, wobei ihm einige durch ihre doppelt zusammengesetzten Blüten auffielen, welche zuvor von Cervantes womöglich fälschlich als Coreopsis tuberosa bestimmt worden waren. Cavanilles zeichnete die erste Sorte der neuen Gattung und beschrieb sie 1791 im ersten Band seiner "Icones et Descriptiones Plantarum". Er gab ihr den Namen Dahlia pinnata Cav. zum Gedenken an den Botaniker Dr. Anders Dahl (1751 - 1789). Dahl war ein Schüler Carl von Linnés, welcher zu dieser Zeit den Lehrstuhl für Naturgeschichte an der Universität in Uppsala (Schweden) innehatte. Dahlia pinnata
Ein weiterer Schüler Linnés war Carl Peter Thunberg (1743-1828), dem auch Dahl bekannt war. Thunberg benannte im Jahre 1792 eine aus Südafrika stammende Hamamelidaceae Dahlia crinata, ebenfalls, um die Verdienste Dahls zu würdigen (die Pflanze wurde umbenannt in Trichocladus crinitus).

1803 gab es erneut Verwirrungen um den Namen der beliebten Blume: der Berliner Botaniker Karl Ludwig Willdenow führte als neue Bezeichnung für die Dahlie den Namen Georgine ein. Willdenow ehrte mit diesem Namen seinen St. Petersburger Botanikerkollegen Gottlieb Georgi.
Die Dahlie wurde nun als Georgina variabilis präsentiert. Ungeklärt bleibt, ob Willdenow nicht von ihrem ersten und bis heute geltenden Namen Dahlia in Kenntnis gesetzt war oder ob der Umstand eine Rolle spielte, dass der Gattungsname Dahlia zu dieser Zeit für die erwähnte Hamamelidaceae verwendet wurde.

Über lange Jahre behielt die Dahlie zwei Volksnamen: in Norddeutschland wurde sie fast durchweg als Georgine, in Süddeutschland, Frankreich, England und Belgien überall nur Dahlie genannt. Aus diesem Grund ist vielen Menschen, vor allem in Norddeutschland, die Pflanze immer noch unter der Bezeichnung Georgine bekannt.

Heute ist Dahlia Cav. der gültige botanische Gattungsname, im Volksmund wird sie nahezu überall Dahlie oder Dahlia genannt. Zudem ist die Dahlie die Nationalblume Mexikos.
Während einer wissenschaftlichen Expedition in den Jahren 1789-1794 zeichneten Alejandro Malaspina und Luis Neé in Salamanca (Mexiko) zwei der für die spätere Züchtungsarbeit sehr bedeutenden, einfach blühenden Dahlien-Arten, die von Cavanilles im Jahre 1794 im dritten Band seines Werkes beschrieben werden: Dahlia rosea Cav. und Dahlia coccinea Cav.









Die Botaniker Mociño und Sessé erwähnen 1795 in ihrer Schrift "Plantae novae Hispaniae", dass unter den Dahlien die acocotli quauhnahuacensis nach F. Altamirano nicht die so genannte acocoxóchitl oder cocoxóchitl, "flor del acocote'' gemeint ist, sondern dieselbe Dahlie, die schon von Hernández als D. coccinea bezeichnet wurde.
Dahlia rosea
Dahlia coccinea
Der Anbau der Dahlien im Botanischen Garten von Madrid, welcher sofort nach ihrer Entdeckung begann, sowie deren Weiterentwicklung und Pflege war das große Lebenswerk von Cavanilles. Er dokumentierte diesen ausführlich in seinem Werk "Beschreibung der Pflanzen…" von 1802. Nach seinem Tod im Jahre 1804 folgten ihm die Brüder Claudio und Esteban Boutelou (Gärtner in den königlichen Botanischen Gärten von Madrid und Sitio de Aranjuez) nach. 1804 veröffentlichten sie ihr gemeinsames Werk: "Abhandlung über die Blumen", in welchem ebenfalls der Anbau der Dahlien ausführlich beschrieben wird.

1798 brachte Lady Bute, die Frau eines in Madrid tätigen englischen Diplomaten, die ersten Dahlien von Spanien nach England, wo versucht wurde, sie in Kew Gardens in London zu kultivieren. Da man der Annahme war, alles Tropische in Warmhäusern auspflanzen zu müssen und die den Dahlien eigene Ruhephase in der Trockenzeit nicht zukommen ließ, kamen die Pflanzen jedoch nicht zur Blüte. Mehr Erfolg mit der Anzucht der Dahlien hatte der französische Arzt und Hobbygärtner Thiebaud, der 1802 einige Pflanzenwurzeln von Cavanilles erhielt und diese später an das Naturgeschichtliche Museum in Paris weitergab. Die ersten blühenden Dahlien in Montpellier konnte man 1803 bewundern.

Diese Pflanzen wurden 1804 von Thouin, dem Inspektor des Jardin des Plantes in Paris, in seinem Artikel "Memoire sur la culture des Dahlia" beschrieben und illustriert. Thouin war es auch, der seinen Illustrationen und Beschreibungen die erste bekannt gewordene Kultur- und Pflegeanleitung beifügte. Sein Pflanzenportrait rief das Interesse der verschiedenen europäischen Gartenzeitschriften hervor. Die Weitergabe der neuen Erkenntnisse durch dieses Medium war ein großer Erfolg für die Verbreitung der Dahlie in Europa.

Um 1804 kannte und benannte man drei Sippen der Gattung Dahlia Cav., die Strauss 1875 wie folgt beschrieb:
  • Dahlia pinnata purpurea - die purpurfarbenen Dahlie, die zu dieser Zeit als die schönste Vertreterin angesehen wurde. "Die Art besitzt eine knollige Wurzel, die mit einer gräulichen, "aschfarbenen" Haut wie auch bei den anderen Arten, überzogen ist, unter derer aber eine zweite, dunkel-violette Haut zum Vorschein kommt. Der Stängel der Pflanze wächst etwa 5-6 Fuß hoch und verzweigt sich erst im oberen Drittel. Die Blätter sind zweifach gegenständig, dreifach gequirlt und z. T. auch wechselständig. Die Blüten stehen an der Spitze und an den Nebenzweigen mit einem Durchmesser von etwa 3 Zoll. Die "gezüngelten" Blütenblätter sind in 4 bis 6 Reihen angeordnet, welche sich überlappen. Die Farbe ist dunkelviolett bis purpurn (lila), zur Mitte hin rötlicher und die inneren Blütenblätter sind von goldgelber Farbe. Die Dahlia pinnata blüht von Mitte Oktober bis Ende November".
  • Dahlia pinnata
    Dahlia pinnata
  • Dahlia coccinea foliis - die hochrote Dahlie - wird etwa einen Meter hoch. "Die Stängel sind dünn und verzweigt und mit einem gräulichen Überzug bedeckt. Die Blätter sind fiedrig, wovon die untersten beiden dreimal geteilt, die Oberseite von glänzend grüner, die Unterseite eher weißlich-grüner Farbe ist. Die Blüten stehen an langen Stielen vorwiegend an der Spitze des Hauptzweiges, ab und zu an den oberen Nebenzweigen. Die Blüten sind kleiner als die der anderen Arten, bestehen aus 8 bis 9 nach hinten gebogenen Blütenblättern von am Rand leuchtend-roter Farbe, zur Mitte hin ins Gelb übergehend und bilden einen halbrunden Knopf. Der Beginn der Blüte ist im Oktober und endet Anfang November".
  • Dahlia occinea
    Dahlia occinea
  • Dahlia rosea foliis - die rosenfarbene Dahlie. "Diese Dahlienart ist krautig gewachsen, die Stängel verzweigen sich bereits am Grund. Sie erreicht eine Höhe von mehr als 2 m. Die Blätter sind entgegengesetzt und fiedrig geteilt, die unteren fünfmal, die obern oft neunmal geteilt. Die Oberfläche der Blätter ist lebhaft grün, die Unterseite blassgrün gefärbt. Die margeritenähnlichen Blüten sitzen auf den Spitzen der Stängel und bestehen gewöhnlich aus 8 kleinen Blütenblättern, die von blassroter - rosa Farbe sind, die Staubblüten in der Mitte sind goldgelb. Die Blüten erreichen einen Durchmesser von etwa 15 cm. Die Blütezeit beginnt im September, die Blüten folgen aufeinander innerhalb von 2 Monaten. Jede Blüte hält sich etwa 4 bis 5 Tage. Diese Art ist am meisten verzweigt, blüht am reichsten und wächst am höchsten von allen drei Arten".
  • Dahlia rosea
    Dahlia rosea
    Die Dahlien, die aus den Samen dieser drei neu in Europa eingeführten Sippen wuchsen, besaßen bereits eine andere Blütenfärbung als die ersten importierten Pflanzen von 1789. Das große genetische Potential, welches die Dahlie bereits besaß, machte die Züchtung neuer Sorten einfach und attraktiv für die europäischen Gärtner. Da Dahlien außerdem leicht zu vermehren sind, war ihr Anbau bald nicht nur mehr ein Privileg der reichen Bevölkerung Europas, sondern sie erblühten bald auch immer häufiger in öffentlichen und privaten Gärten.

    Schon bald eroberte die Dahlie ein Land nach dem anderen: Cavanilles verteilte Saatgut an die verschiedenen Botanischen Gärten Europas, so z.B. London, Montpellier, Sankt Petersburg, Berlin. Zudem brachten Reisende immer wieder Samen und Pflanzen verschiedener Varietäten von ihren Expeditionen mit.
    In diesem Zusammenhang besonders wichtig war die große Amerikaexpedition von Alexander von Humboldt (1769-1859) und Aime Bonpland in den Jahren 1799-1804, von welcher die Forscher Dahliensamen und Knollen nach Berlin mitbrachten. Es handelte sich bei den von Humboldt entdeckten Dahlien um eine einfach blühende hellrote Art und eine dunkelgelb blühende Varietät, die sie auf einer Wiese der Hochebene des mexikanischen Vulkan Jorullo in 2000 m Höhe fanden.

    Dieser zweite große Dahlienimport aus ihrer ursprünglichen Heimat Mexiko wird von den Botanikern als der wichtigere angesehen, da die Entwicklung der Züchtung von Dahlien nun rapide Fortschritte machte.
    Nachdem man erst erkannt hatte, unter welchen Voraussetzungen die Dahlie zum Blühen zu bringen war, konnte man sie nahezu überall in Europa problemlos kultivieren. Wichtig hierbei ist das Ausgraben der Knollen im Winter und eine trockene Lagerung, um Frostschäden zu vermeiden. Die relative Anspruchslosigkeit der Dahlie kombiniert mit den zahlreichen Blütenfarben und -formen, welche in kürzester Zeit aus den wenigen ursprünglichen Typen entstanden, prädestinierten die Pflanze ebenfalls für eine weitere internationale Verbreitung. Innerhalb von nur 15 Jahren nach ihrer Einführung in England entwickelten sich ca. 300 unterschiedliche Varietäten. In anderen Ländern gab es ähnliche Entwicklungen, wobei die sich selbst bestäubende Saat und Mutation eine Hauptrolle gespielt haben müssen, vor allem da moderne Formen der Züchtung unbekannt waren. Die genauen Umstände dieser Entwicklung sind bislang jedoch noch nicht gründlich genug evaluiert worden.
    Die Pflanzen blühten und kamen zur Samenreife, und schon bald war eine große Sortenfülle vorhanden. 1806 wurden bereits 55 einfache und halbgefüllte Sorten von dem Leipziger Hofgärtner Breiter angeboten. Unter den von ihm angebotenen Sorten zeigte sich bereits die eine oder andere Pflanze mit der Neigung zu einem reicheren Blütenblätterkranz. Die erste wirklich gefüllte Dahlie wurde 1808 von dem Garteninspektor Hartweg in Karlsruhe gezogen und in Berlin weitergezüchtet. 1810 sah man die Dahlia purpurea im botanischen Garten zu Tübingen und sich in allen deutschen Städten weiterverbreiten.
    In den großherzoglichen Gartenanlagen Belvedere bei Weimar sind 1809 erstmals Georginen in einem Pflanzenverzeichnis aufgeführt worden. Waren die Vertreter der Kulturform der Dahlia (heute: Dahlia x pinnata, darin eingeschlossen die Sippen der damals als D. pinnata, D. rosea und D. coccine bezeichneten Formen) bald überaus populär, erreichte sie doch den Höhepunkt ihrer Beliebtheit erst 1830. Dafür verantwortlich waren vor allem die seinerzeit bereits berühmten Gärtner und passionierten Blumenfreunde Louis Mathieu, Minister von Altenstein und der Inspektor des botanischen Gartens Otto und der Bad Köstritzer Handelsgärtner Christian Deegen.
    White Aster
    'White Aster'
    Züchter:Dobbie 1879 GB
    älteste Dahlie
    Kaiser Wilhelm
    'Kaiser Wilhelm'
    Züchter:Chr. Deegen 1881 D
    älteste dt. Dahlie
    Stolz von Berlin
    'Stolz von Berlin'
    Züchter: Severin 1914 D
    zweitälteste dt. Dahlie
    Die erste anemonenblütige Dahlie wurde 1830 in England angeboten, dort kannte man zu dieser Zeit 14 Sorten und hatte Zuchtgesellschaften gegründet, welche die Entwicklung der Blumenzüchtung unterstützten.

    Dahlien aus England fanden in Deutschland begeisterte Aufnahme, es wurden enorme Summen nach England geschickt, um immer wieder neuere und schönere Varietäten zu erhalten. Die Dahlie entwickelte sich zur Modeblume schlechthin, obwohl sie geruchlos ist und vielleicht deswegen nie an das Ansehen der Rose heranreichte.

    Um 1835 waren Hobby- so wie Berufsgärtner bereit, fast jeden Preis für die von ihnen gewünschten Sorten zu zahlen: es wird berichtet, dass in England 1835 ein Exemplar der Sorte ‚Yellow Defiance' für 200 Pfund verkauft wurde.
    Die "Dahlia-Manie" auf dem Höhepunkt ihrer Popularität um 1830 herum lässt sich am Besten anhand einer Überlieferung von Strauss aus dem Jahr 1875 verdeutlichen:
    "Der Baron B., ein passionierter Dahlienzüchter, lag sterbenskrank zu Bett und war von den Ärzten bereits aufgegeben. Die verzweifelte Familie konsultierte jedoch noch einen neuen, sehr berühmten Arzt, der sich bald darauf zusammen mit zwei weiteren von der Familie zu einem gemeinsamen Treffen konsultierten Medizinern bei dem Kranken einfand. Dieser neue Arzt besah sich den Kranken, um daraufhin zum Entsetzen der beiden anderen Doktoren einen starken Aderlass anzuordnen. Die anderen Ärzte sahen in dieser Verordnung das sichere Todesurteil für ihren Patienten unterzeichnet, trauten sich jedoch nicht, gegen dieses große Licht der Wissenschaft Einspruch zu erheben. Als sie gemeinsam den Beschluss des Aderlasses unterzeichnen wollten, trat der berühmte moderne Arzt für einen Moment ans Fenster und erblickte zu seiner Freude eine Kollektion schönster Dahlien im Garten des Barons erblüht. Er stürzte hinaus in den Garten und ergab sich vollständig in der Betrachtung der Erlesenen, so dass der Kranke, die Konsultation, seine Kollegen vergessen waren. Die beiden anderen Ärzte riefen ihn vom Fenster aus, aber er hörte nichts mehr. Sie schickten einen Boten, um ihn zu holen, welchen er jedoch zum Teufel schickte, kurz: seine Aufmerksamkeit war vollständig absorbiert. Die anderen beiden Ärzte besannen sich kurz und fanden dann zu ihrer eigenen Meinung wieder: verordneten dem Kranken Rotwein und ein noch blutendes Kotelett, was der Baron zu sich nahm und daraufhin bald genas. So waren seine Lieblinge zu seinen Lebensrettern geworden!" 1850 erschienen die ersten Pompondahlien, damals noch Liliputdahlien genannt, in Deutschland auf dem Markt.

    Ein Dahlienzüchter hat sich besonders um diesen Fortschritt verdient gemacht: der Handelsgärtner Christian Deegen aus Bad Köstritz (1798-1888), welcher im Alter von 14 Jahren bei einem seiner Besuche der großherzoglichen Gartenanlagen in Belvedere bei Weimar aufgrund seines gezeigten Interesses vier verschiedenfarbige einfach blühende Dahlienknollen geschenkt bekam, die er im Garten seines Vaters mit Erfolg zu vermehren begann. 1816 besorgte sich Deegen die erste gefüllte Dahlie von dem Hofgärtner Breitner aus Leipzig, 'Formosa' genannt. Mit dieser stellte er die ersten Züchtungsversuche an, die bereits im Folgejahr positive Ergebnisse brachten. Als Autodidakt eignete er sich nach und nach das gärtnerische Grundwissen an. Durch einen Lotteriegewinn begünstigt konnte er sich 1824 eine gräfliche Residenz mit 20 ha parkähnlichem Garten kaufen, um sich den Traum einer eigenen Gärtnerei zu erfüllen. Zwanzig selbst gezüchtete, halbgefüllte und gefüllte Dahlien waren sein "Startkapital". Zwei Jahre später eröffnete er seine Handelsgärtnerei, eine der wenigen in Deutschland, die sich mit der Blumenzucht beschäftigten. Deegen züchtete aus Samen alljährlich über zwanzig neue Sorten, wobei vielen dieser Züchtungen nur eine kurze Lebensdauer beschert war, da sich ihre neuen Eigenschaften wie Farbe, Blütengröße, reicherer Blütenflor nicht als dauerhaft erwiesen und sich mit der Zeit verloren.
    Im September 1836 fand an der Universität in Jena die Tagung der Gesellschaft deutscher Ärzte und Naturwissenschaftler statt. Dort startete Deegen mit seinen Dahlien eine gezielte Werbeoffensive: er präsentierte den Tagungsteilnehmern sein Sortiment mit ca. 300 verschiedenen Sorten. Dieses dürfte die erste Dahlienschau in Europa gewesen sein, die Deegen seinen Weg in die internationalen Verbindungen ebnete. Er belieferte neben allen deutschen Staaten Kunden in Böhmen, Ungarn, Rumänien, Galizien, Polen, Russland, Norwegen, Österreich, Schweden und in der Schweiz. Ende Mai 1862 ging die erste Sendung von 200 Knollen an Inspektor Ortgieß vom Botanischen Garten zu Zürich und bereits im März 1864 bot der Handelsgärtner Bahlsen in Erfurt die Kaiserdahlie zum Verkauf an.
    Prinzessin Irene
    Prinzessin Irene von Preußen
    Züchter: Ansorge
    1912 D
    Rotkäppchen
    Rotkäppchen
    Züchter:Goes u.Koenemann
    1916 D
    1874 kamen erneut Samen einer anders gefärbten Dahlie nach Europa. Ihr Potential ermöglichte erneut die Züchtung zahlreicher neuer Sorten, wie schon 1804 die Samen des Alexander von Humboldt.

    Ein zeitgenössischer Text besagt:
    "Zur Zeit der Constitución in Mexiko - das Land begann sich zu einem Kaiserstaat umzuformen, entdeckte ein berühmter Reisender, Dr. Roezl eine neue Dahlien-Art, die er zu Ehren des neuen Herrscherpaares Dahlia imperialis - Kaiserdahlie - nannte. Diese neue Art hat glockenartige, weiße, den Lilien ähnliche Blüten, die in pyramidalen Blütenständen stehen, mit etwa 150 - 200 großen weißen, nickenden Blüten, ähnlich einer Yuccapflanze oder einer riesigen Lilie. Die Wurzeln gleichen denen der bereits bekannten Dahlien. Sie treiben einen etwa fünf bis sechs Fuß hohen Pflanzenschaft mit dreifach gefiederten Blättern aus, der auch ohne Blütenstand beeindruckt. Leider hielt das Kaiserreich nicht lange, und so repräsentierte die Kaiserdahlie eher die "Todtenglocken, die es zu Grabe läuteten".

    Quelle:
    Auszug aus der Diplomarbeit von Sondra Anabel Kleinsorge:
    Entwicklungsgeschichte und Alternative Nutzungsmöglichkeiten von Dahlia Cavanilles (1791)