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Die Dahlie erobert Europa
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Die ersten Dahliensamen gelangten im Rahmen einer botanischen Expedition der
beiden berühmten Botaniker Martín de Sessé und José Mociño
im Jahre 1789 nach Europa.
Der Leiter des Botanischen Gartens von Mexiko,
Don Abbé Vincentes Cervantes schickte verschiedene
Pflanzen,
welche im Rahmen einer botanischen Expedition gesammelt wurden,
an den Botanischen Garten von Madrid.
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Die ersten mexikanischen Pflanzen aus dieser Sendung kamen 1790
in Europa zur Blüte. Der Botaniker Antonio José Cavanilles untersuchte
die Pflanzen nach ihrer Ankunft, wobei ihm einige durch ihre doppelt
zusammengesetzten Blüten auffielen, welche zuvor von Cervantes womöglich
fälschlich als Coreopsis tuberosa bestimmt worden waren. Cavanilles
zeichnete die erste Sorte der neuen Gattung und beschrieb sie 1791
im ersten Band seiner "Icones et Descriptiones Plantarum".
Er gab ihr den Namen Dahlia pinnata Cav. zum Gedenken an den Botaniker
Dr. Anders Dahl (1751 - 1789). Dahl war ein Schüler Carl von Linnés,
welcher zu dieser Zeit den Lehrstuhl für Naturgeschichte an der Universität
in Uppsala (Schweden) innehatte.
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Ein weiterer Schüler Linnés war Carl Peter Thunberg
(1743-1828), dem auch Dahl bekannt war.
Thunberg benannte im Jahre 1792 eine aus Südafrika stammende Hamamelidaceae
Dahlia crinata, ebenfalls, um die Verdienste Dahls zu würdigen
(die Pflanze wurde umbenannt in Trichocladus crinitus).
1803 gab es erneut Verwirrungen um den Namen der beliebten Blume:
der Berliner Botaniker Karl Ludwig Willdenow führte als neue Bezeichnung
für die Dahlie den Namen Georgine ein.
Willdenow ehrte mit diesem Namen seinen
St. Petersburger Botanikerkollegen Gottlieb Georgi.
Die Dahlie wurde nun als Georgina variabilis präsentiert.
Ungeklärt bleibt, ob Willdenow nicht von ihrem ersten
und bis heute geltenden Namen Dahlia in Kenntnis gesetzt war
oder ob der Umstand eine Rolle spielte, dass der Gattungsname
Dahlia zu dieser Zeit für die erwähnte Hamamelidaceae verwendet wurde.
Über lange Jahre behielt die Dahlie zwei Volksnamen:
in Norddeutschland wurde sie fast durchweg als Georgine,
in Süddeutschland, Frankreich, England und Belgien überall nur Dahlie genannt.
Aus diesem Grund ist vielen Menschen, vor allem in Norddeutschland,
die Pflanze immer noch unter der Bezeichnung Georgine bekannt.
Heute ist Dahlia Cav. der gültige botanische Gattungsname,
im Volksmund wird sie nahezu überall Dahlie oder Dahlia genannt.
Zudem ist die Dahlie die Nationalblume Mexikos.
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Während einer wissenschaftlichen Expedition in den Jahren 1789-1794
zeichneten Alejandro Malaspina und Luis Neé in Salamanca
(Mexiko) zwei der für die spätere Züchtungsarbeit sehr bedeutenden,
einfach blühenden Dahlien-Arten, die von Cavanilles im Jahre 1794
im dritten Band seines Werkes beschrieben werden:
Dahlia rosea Cav. und Dahlia coccinea Cav.
Die Botaniker Mociño und Sessé erwähnen 1795 in ihrer Schrift
"Plantae novae Hispaniae", dass unter den Dahlien die acocotli
quauhnahuacensis nach F. Altamirano nicht die so genannte acocoxóchitl
oder cocoxóchitl, "flor del acocote'' gemeint ist,
sondern dieselbe Dahlie, die schon von Hernández als
D. coccinea bezeichnet wurde.
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Der Anbau der Dahlien im Botanischen Garten von Madrid,
welcher sofort nach ihrer Entdeckung begann,
sowie deren Weiterentwicklung und Pflege war das große Lebenswerk von
Cavanilles. Er dokumentierte diesen ausführlich
in seinem Werk "Beschreibung der Pflanzen…" von 1802.
Nach seinem Tod im Jahre 1804 folgten ihm die Brüder
Claudio und Esteban Boutelou
(Gärtner in den königlichen Botanischen Gärten von Madrid und Sitio de Aranjuez)
nach. 1804 veröffentlichten sie ihr gemeinsames Werk:
"Abhandlung über die Blumen", in welchem ebenfalls der Anbau
der Dahlien ausführlich beschrieben wird.
1798 brachte Lady Bute, die Frau eines in Madrid tätigen englischen Diplomaten,
die ersten Dahlien von Spanien nach England,
wo versucht wurde, sie in Kew Gardens in London zu kultivieren.
Da man der Annahme war, alles Tropische in Warmhäusern
auspflanzen zu müssen und die den Dahlien eigene Ruhephase in der
Trockenzeit nicht zukommen ließ, kamen die Pflanzen jedoch
nicht zur Blüte.
Mehr Erfolg mit der Anzucht der Dahlien hatte der französische
Arzt und Hobbygärtner Thiebaud, der 1802 einige Pflanzenwurzeln von
Cavanilles erhielt und diese später an das Naturgeschichtliche
Museum in Paris weitergab.
Die ersten blühenden Dahlien in Montpellier konnte man 1803
bewundern.
Diese Pflanzen wurden 1804 von Thouin, dem Inspektor des Jardin
des Plantes in Paris, in seinem Artikel "Memoire sur la culture des Dahlia"
beschrieben und illustriert. Thouin war es auch, der seinen Illustrationen
und Beschreibungen die erste bekannt gewordene Kultur- und Pflegeanleitung
beifügte. Sein Pflanzenportrait rief das Interesse der verschiedenen
europäischen Gartenzeitschriften hervor. Die Weitergabe der neuen
Erkenntnisse durch dieses Medium war ein großer Erfolg für die
Verbreitung der Dahlie in Europa.
Um 1804 kannte und benannte man drei Sippen
der Gattung Dahlia Cav., die
Strauss 1875 wie folgt beschrieb:
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Dahlia pinnata purpurea - die purpurfarbenen Dahlie,
die zu dieser Zeit als die schönste Vertreterin angesehen wurde.
"Die Art besitzt eine knollige Wurzel, die mit einer gräulichen,
"aschfarbenen" Haut wie auch bei den anderen Arten, überzogen ist,
unter derer aber eine zweite, dunkel-violette Haut zum Vorschein kommt.
Der Stängel der Pflanze wächst etwa 5-6 Fuß hoch und verzweigt sich erst
im oberen Drittel. Die Blätter sind zweifach gegenständig, dreifach gequirlt
und z. T. auch wechselständig. Die Blüten stehen an der Spitze und an
den Nebenzweigen mit einem Durchmesser von etwa 3 Zoll.
Die "gezüngelten" Blütenblätter sind in 4 bis 6 Reihen angeordnet,
welche sich überlappen. Die Farbe ist dunkelviolett bis purpurn (lila),
zur Mitte hin rötlicher und die inneren Blütenblätter sind von goldgelber Farbe.
Die Dahlia pinnata blüht von Mitte Oktober bis Ende November".
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Dahlia pinnata
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Dahlia coccinea foliis - die hochrote Dahlie -
wird etwa einen Meter hoch. "Die Stängel sind dünn und verzweigt
und mit einem gräulichen Überzug bedeckt. Die Blätter sind fiedrig,
wovon die untersten beiden dreimal geteilt, die Oberseite von
glänzend grüner, die Unterseite eher weißlich-grüner Farbe ist.
Die Blüten stehen an langen Stielen vorwiegend an der Spitze
des Hauptzweiges, ab und zu an den oberen Nebenzweigen.
Die Blüten sind kleiner als die der anderen Arten, bestehen
aus 8 bis 9 nach hinten gebogenen Blütenblättern von am Rand
leuchtend-roter Farbe, zur Mitte hin ins Gelb übergehend und
bilden einen halbrunden Knopf. Der Beginn der Blüte ist im
Oktober und endet Anfang November".
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Dahlia occinea
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Dahlia rosea foliis - die
rosenfarbene Dahlie. "Diese Dahlienart ist krautig gewachsen,
die Stängel verzweigen sich bereits am Grund. Sie erreicht eine Höhe
von mehr als 2 m. Die Blätter sind entgegengesetzt und fiedrig geteilt,
die unteren fünfmal, die obern oft neunmal geteilt. Die Oberfläche der
Blätter ist lebhaft grün, die Unterseite blassgrün gefärbt.
Die margeritenähnlichen Blüten sitzen auf den Spitzen der Stängel
und bestehen gewöhnlich aus 8 kleinen Blütenblättern,
die von blassroter - rosa Farbe sind, die Staubblüten in der
Mitte sind goldgelb. Die Blüten erreichen einen Durchmesser
von etwa 15 cm. Die Blütezeit beginnt im September, die Blüten
folgen aufeinander innerhalb von 2 Monaten. Jede Blüte hält
sich etwa 4 bis 5 Tage. Diese Art ist am meisten verzweigt,
blüht am reichsten und wächst am höchsten von allen drei Arten".
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Dahlia rosea
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Die Dahlien, die aus den Samen dieser drei neu
in Europa eingeführten Sippen wuchsen,
besaßen bereits eine andere Blütenfärbung als die ersten
importierten Pflanzen von 1789. Das große genetische Potential,
welches die Dahlie bereits besaß, machte die Züchtung neuer
Sorten einfach und attraktiv für die europäischen Gärtner.
Da Dahlien außerdem leicht zu vermehren sind, war ihr Anbau bald
nicht nur mehr ein Privileg der reichen Bevölkerung Europas,
sondern sie erblühten bald auch immer häufiger in öffentlichen
und privaten Gärten.
Schon bald eroberte die Dahlie ein Land nach dem anderen:
Cavanilles verteilte Saatgut an die verschiedenen
Botanischen Gärten Europas, so z.B. London, Montpellier,
Sankt Petersburg, Berlin. Zudem brachten Reisende immer
wieder Samen und Pflanzen verschiedener Varietäten von ihren Expeditionen mit.
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In diesem Zusammenhang besonders wichtig war die große Amerikaexpedition
von Alexander von Humboldt (1769-1859) und Aime Bonpland in den Jahren
1799-1804, von welcher die Forscher Dahliensamen und Knollen nach
Berlin mitbrachten. Es handelte sich bei den von Humboldt entdeckten
Dahlien um eine einfach blühende hellrote Art und eine dunkelgelb
blühende Varietät, die sie auf einer Wiese der Hochebene
des mexikanischen Vulkan Jorullo in 2000 m Höhe fanden.
Dieser zweite große Dahlienimport aus ihrer ursprünglichen Heimat
Mexiko wird von den Botanikern als der wichtigere angesehen,
da die Entwicklung der Züchtung von Dahlien nun rapide Fortschritte machte.
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Nachdem man erst erkannt hatte, unter welchen Voraussetzungen
die Dahlie zum Blühen zu bringen war, konnte man sie nahezu überall
in Europa problemlos kultivieren. Wichtig hierbei ist das Ausgraben
der Knollen im Winter und eine trockene Lagerung, um Frostschäden
zu vermeiden. Die relative Anspruchslosigkeit der Dahlie kombiniert
mit den zahlreichen Blütenfarben und -formen, welche in
kürzester Zeit aus den wenigen ursprünglichen Typen entstanden,
prädestinierten die Pflanze ebenfalls für eine weitere
internationale Verbreitung. Innerhalb von nur 15 Jahren
nach ihrer Einführung in England entwickelten sich ca.
300 unterschiedliche Varietäten. In anderen Ländern gab
es ähnliche Entwicklungen, wobei die sich selbst
bestäubende Saat und Mutation eine Hauptrolle gespielt
haben müssen, vor allem da moderne Formen der Züchtung
unbekannt waren. Die genauen Umstände dieser Entwicklung
sind bislang jedoch noch nicht gründlich genug evaluiert worden.
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Die Pflanzen blühten und kamen zur Samenreife, und schon bald
war eine große Sortenfülle vorhanden. 1806 wurden bereits 55
einfache und halbgefüllte Sorten von dem Leipziger Hofgärtner
Breiter angeboten. Unter den von ihm angebotenen Sorten
zeigte sich bereits die eine oder andere Pflanze mit der Neigung
zu einem reicheren Blütenblätterkranz. Die erste wirklich gefüllte
Dahlie wurde 1808 von dem Garteninspektor Hartweg in Karlsruhe
gezogen und in Berlin weitergezüchtet. 1810 sah man die Dahlia
purpurea im botanischen Garten zu Tübingen und sich in allen
deutschen Städten weiterverbreiten.
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In den großherzoglichen Gartenanlagen Belvedere bei Weimar sind
1809 erstmals Georginen in einem Pflanzenverzeichnis aufgeführt
worden. Waren die Vertreter der Kulturform der Dahlia (heute:
Dahlia x pinnata, darin eingeschlossen die Sippen der damals als
D. pinnata, D. rosea und D. coccine bezeichneten Formen) bald
überaus populär, erreichte sie doch den Höhepunkt ihrer Beliebtheit
erst 1830. Dafür verantwortlich waren vor allem die seinerzeit
bereits berühmten Gärtner und passionierten Blumenfreunde Louis
Mathieu, Minister von Altenstein und der Inspektor des botanischen
Gartens Otto und der Bad Köstritzer Handelsgärtner Christian Deegen.
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'White Aster' Züchter:Dobbie 1879 GB älteste Dahlie
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'Kaiser Wilhelm' Züchter:Chr. Deegen 1881 D älteste dt. Dahlie
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'Stolz von Berlin' Züchter: Severin 1914 D zweitälteste dt. Dahlie
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Die erste anemonenblütige Dahlie wurde 1830 in England angeboten,
dort kannte man zu dieser Zeit 14 Sorten und hatte Zuchtgesellschaften
gegründet, welche die Entwicklung der Blumenzüchtung unterstützten.
Dahlien aus England fanden in Deutschland begeisterte Aufnahme, es
wurden enorme Summen nach England geschickt, um immer wieder neuere
und schönere Varietäten zu erhalten. Die Dahlie entwickelte sich
zur Modeblume schlechthin, obwohl sie geruchlos ist und vielleicht
deswegen nie an das Ansehen der Rose heranreichte.
Um 1835 waren Hobby- so wie Berufsgärtner bereit, fast jeden Preis
für die von ihnen gewünschten Sorten zu zahlen: es wird berichtet,
dass in England 1835 ein Exemplar der Sorte ‚Yellow Defiance'
für 200 Pfund verkauft wurde.
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Die "Dahlia-Manie" auf dem Höhepunkt ihrer Popularität um
1830
herum lässt sich am Besten anhand einer Überlieferung von Strauss
aus dem Jahr 1875 verdeutlichen: "Der Baron B., ein passionierter
Dahlienzüchter, lag sterbenskrank zu Bett und war von den Ärzten
bereits aufgegeben. Die verzweifelte Familie konsultierte jedoch
noch einen neuen, sehr berühmten Arzt, der sich bald darauf
zusammen mit zwei weiteren von der Familie zu einem gemeinsamen
Treffen konsultierten Medizinern bei dem Kranken einfand. Dieser
neue Arzt besah sich den Kranken, um daraufhin zum Entsetzen der
beiden anderen Doktoren einen starken Aderlass anzuordnen. Die
anderen Ärzte sahen in dieser Verordnung das sichere Todesurteil
für ihren Patienten unterzeichnet, trauten sich jedoch nicht,
gegen dieses große Licht der Wissenschaft Einspruch zu erheben.
Als sie gemeinsam den Beschluss des Aderlasses unterzeichnen wollten,
trat der berühmte moderne Arzt für einen Moment ans Fenster und
erblickte zu seiner Freude eine Kollektion schönster Dahlien im
Garten des Barons erblüht. Er stürzte hinaus in den Garten und
ergab sich vollständig in der Betrachtung der Erlesenen, so
dass der Kranke, die Konsultation, seine Kollegen vergessen
waren. Die beiden anderen Ärzte riefen ihn vom Fenster aus,
aber er hörte nichts mehr. Sie schickten einen Boten, um ihn
zu holen, welchen er jedoch zum Teufel schickte, kurz: seine
Aufmerksamkeit war vollständig absorbiert. Die anderen beiden
Ärzte besannen sich kurz und fanden dann zu ihrer eigenen Meinung
wieder: verordneten dem Kranken Rotwein und ein noch blutendes
Kotelett, was der Baron zu sich nahm und daraufhin bald genas.
So waren seine Lieblinge zu seinen Lebensrettern geworden!"
1850 erschienen die ersten Pompondahlien,
damals noch Liliputdahlien genannt,
in Deutschland auf dem Markt.
Ein Dahlienzüchter hat sich besonders um diesen Fortschritt verdient gemacht:
der Handelsgärtner Christian Deegen aus Bad Köstritz (1798-1888), welcher im
Alter von 14 Jahren bei einem seiner Besuche der großherzoglichen Gartenanlagen
in Belvedere bei Weimar aufgrund seines gezeigten Interesses vier verschiedenfarbige
einfach blühende Dahlienknollen geschenkt bekam, die er im Garten seines Vaters mit
Erfolg zu vermehren begann. 1816 besorgte sich Deegen die erste gefüllte Dahlie
von dem Hofgärtner Breitner aus Leipzig, 'Formosa' genannt.
Mit dieser stellte er
die ersten Züchtungsversuche an, die bereits im Folgejahr positive Ergebnisse
brachten. Als Autodidakt eignete er sich nach und nach das gärtnerische
Grundwissen an. Durch einen Lotteriegewinn begünstigt konnte er sich 1824
eine gräfliche Residenz mit 20 ha parkähnlichem Garten kaufen, um sich den
Traum einer eigenen Gärtnerei zu erfüllen. Zwanzig selbst gezüchtete,
halbgefüllte und gefüllte Dahlien waren sein "Startkapital". Zwei Jahre
später eröffnete er seine Handelsgärtnerei, eine der wenigen in Deutschland,
die sich mit der Blumenzucht beschäftigten. Deegen züchtete aus Samen
alljährlich über zwanzig neue Sorten, wobei vielen dieser Züchtungen nur
eine kurze Lebensdauer beschert war, da sich ihre neuen Eigenschaften wie
Farbe, Blütengröße, reicherer Blütenflor nicht als dauerhaft erwiesen und
sich mit der Zeit verloren.
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Im September 1836 fand an der Universität in Jena die Tagung der Gesellschaft
deutscher Ärzte und Naturwissenschaftler statt. Dort startete Deegen
mit seinen
Dahlien eine gezielte Werbeoffensive: er präsentierte den Tagungsteilnehmern
sein Sortiment mit ca. 300 verschiedenen Sorten.
Dieses dürfte die erste
Dahlienschau in Europa gewesen sein, die Deegen seinen Weg in die
internationalen Verbindungen ebnete. Er belieferte neben allen deutschen
Staaten Kunden in Böhmen, Ungarn, Rumänien, Galizien, Polen, Russland,
Norwegen, Österreich, Schweden und in der Schweiz. Ende Mai 1862 ging die
erste Sendung von 200 Knollen an Inspektor Ortgieß vom Botanischen Garten
zu Zürich und bereits im März 1864 bot der Handelsgärtner Bahlsen in Erfurt
die Kaiserdahlie zum Verkauf an.
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Prinzessin Irene von Preußen Züchter: Ansorge 1912 D
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Rotkäppchen Züchter:Goes u.Koenemann 1916 D
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1874 kamen erneut Samen einer anders
gefärbten Dahlie nach Europa. Ihr Potential ermöglichte erneut die Züchtung
zahlreicher neuer Sorten, wie schon 1804 die Samen des Alexander von Humboldt.
Ein zeitgenössischer Text besagt:
"Zur Zeit der Constitución in Mexiko - das Land begann sich zu einem Kaiserstaat
umzuformen, entdeckte ein berühmter Reisender, Dr. Roezl eine neue Dahlien-Art,
die er zu Ehren des neuen Herrscherpaares Dahlia imperialis - Kaiserdahlie -
nannte. Diese neue Art hat glockenartige, weiße, den Lilien ähnliche Blüten,
die in pyramidalen Blütenständen stehen, mit etwa 150 - 200 großen weißen,
nickenden Blüten, ähnlich einer Yuccapflanze oder einer riesigen Lilie. Die
Wurzeln gleichen denen der bereits bekannten Dahlien. Sie treiben einen etwa
fünf bis sechs Fuß hohen Pflanzenschaft mit dreifach gefiederten Blättern aus,
der auch ohne Blütenstand beeindruckt. Leider hielt das Kaiserreich nicht lange,
und so repräsentierte die Kaiserdahlie eher die "Todtenglocken, die es zu Grabe
läuteten".
Quelle:
Auszug aus der Diplomarbeit von Sondra Anabel Kleinsorge:
Entwicklungsgeschichte und Alternative Nutzungsmöglichkeiten von Dahlia Cavanilles (1791)
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