|
|
|
Beschreibung der Wild- und Kulturformen
|
Das Verbreitungsgebiet der botanischen oder Wilddahlien beschränkt
sich größtenteils auf das Hochland (1500 - 4300 m ü. NN.)
von Mexiko, daneben gibt es vereinzelte Vorkommen in Zentralamerika
und dem nördlichsten Südamerika.
Die verschiedenen Wildarten wachsen in ganz
unterschiedlichen Regionen und Klimazonen.
Meistens findet man sie auf Waldlichtungen, an Waldrändern,
in Graslandschaften, Böschungen usw., also verstärkt auf offenen Plätzen.
Sie bilden in der Regel keinen geschlossenen Verbund und wachsen in direkter
Nachbarschaft zu vielen anderen Pflanzenarten.
|
Dahlia pinnata
|
Das natürliche Habitat der Wilddahlie wird zunehmend eingeschränkt durch
die wachsende Zivilisation, so dass die Wildpflanze bereits zu den
gefährdeten Arten gezählt werden muss. Die Wildformen
zeichnen sich
durch ihre Vielgestaltigkeit aus, in ihrer Wachstumshöhe,
in Farbe und
Form der Blüten und des Laubes. Neben den Staudenformen, welche etwa 0,4
bis 1,50 m hoch werden, kommen auch baumartige Riesenformen (Pseudodendron)
von bis zu 9 m Höhe vor. Eine Untergruppe zählt zu den Epiphyten
(Aufsitzerpflanzen).
Eine Besonderheit unter den Dahlien ist die relativ neu entdeckte
Art Dahlia macdougallii (Gruppe Epiphytum),
welche als ausdauernde Aufsitzerpflanze gleich den Orchideen in
Bäumen wächst und von Ambrosius wie folgt beschrieben wird:
"Im November 1949 entdeckte der Botaniker Mac Dougall eine
ganz besondere Dahlienart und zwar im Regenwald von Oaxaca
im südlichen Mexiko in der Nähe der Stadt Santo Tomás Teipan.
Es handelte sich um eine epiphytisch ausdauernde Staude, die als
Aufsitzerpflanze bis in hohe Bäume wächst. Die Pflanzen bilden
Luftwurzeln bis zum Boden, ihre Stängel ranken bis zu 10 m hoch
in den Bäumen. Die Blütezeit der Regenwalddahlie ist November.
Die Blütenblätter sind weiß, die Blätter am Boden der Blüten gelb.
Das Laub der Dahlia macdougallii hat Ähnlichkeit mit der Baumdahlie
Dahlia tenuicaulis, auch die Anordnung der Knospen in doldenartigen
Büscheln am Ende der blühenden Zweige haben diese Arten gemeinsam.
Dahlia tenuicaulis unterscheidet sich jedoch durch ihre lila Blütenfarbe
von Dahlia macdougallii."
|
Dahlia tenuicaulis
|
Die meisten Wilddahlien besiedeln sehr kleinräumige Verbreitungsgebiete
in den Gebirgen von Mexiko, wo sie gewöhnlich an Waldrändern und auf
Waldlichtungen vorkommen. Manche Arten sind seit ihrer
Entdeckung und Erstbeschreibung verschollen, doch werden auch immer
wieder neue entdeckt.
Die Hauptwachstumsphase ist während der
Regenzeit,
in Mexiko normalerweise in der Zeit von Mai bis Oktober.
Die Blütezeit ist im August und September. Fast täglich gibt es
kurze Gewitter oder Regenschauer bei Temperaturen von 20 - 35°C,
ein ideales Klima für das schnelle Wachstum aller Dahlienarten.
In der Trockenzeit von November bis April ist die
natürliche Ruhephase,
während die Knollen mit dem Neuaustrieb auf die nächste Regenzeit warten.
Einige Arten, vor allem in den tropischen Regionen im Tiefland des südlichen
Mexikos sind immergrün und kennen keine eigentliche Ruhephase. Die meisten
dieser Arten sind Kurztagspflanzen und blühen erst von November bis Januar.
Die Gruppe der D. x pinnata, zu der auch alle in Europa wachsenden
Hybriddahlienzählen, gehört zu den Staudengewächsen,
deren Wurzelknollen als Speicherorgane ausgebildet sind.
In diesen wird das stärkeähnliche Kohlenhydrat Inulin eingelagert,
so dass man die Pflanze auch als Speisepflanze zu der Gruppe der
inulinhaltigen Pflanzen zuordnen kann.
Die Einzelblüte mit der körbchenförmigen Anordnung der Blütenblätter
ist kennzeichnend für die Familie Asteraceae.
Die Stängel sind verzweigt mit gegenständigen, fiedrigen Blättern.
|
Dahlien tragen zweierlei Formen von Blütenblättern.
Im Zentrum der Blüte,
zumeist gelb gefärbt, befinden sich die Röhren- oder Scheiben-Blüten,
am Rande des Zentrums die so genannten Strahl- oder Randblüten.
Die einfach blühenden Dahlien tragen zumeist wie die Wildform D. sorensenii
einen Kranz von in der Regel acht Blütenblättern, die Kulturformen kommen
in allen möglichen Farben und mit verschiedenen Formen der Blütenblätter vor.
Die päonienblütigen oder "Duplex-Dahlien"
sind Dahlien mit zwei oder mehr Kränzen von Blütenblättern.
|
Einfachblühende Dahlie 'Bishop of Lanchester' (#1415)
|
|
Bei der Halskrausen-Dahlie handelt es sich um einfach
blühende Dahlien,
die in dem Ring der Blütenblätter einen zusätzlichen kleineren Kreis
von Blütenblättchen haben, die meistens andersfarbig sind.
Diese zusätzliche "Halskrause" besteht dabei nicht aus eigentlichen
Blüten, sondern aus umgebildeten Staubgefässen.
|
Haslkrausen Dahlie 'Pooh' (#810)
|
Alle bei Dahlien vorkommenden Farben beruhen auf nur
vier Farb-Pigmenten:
Elfenbein, gelb, rot und purpurn.
Die Produktion der Farbpigmente ist zum Zeitpunkt der Öffnung
der Blütenköpfe abgeschlossen. Bei nachfolgendem Wachstum der Blüte
aufgrund der weiteren Öffnung werden die Pigmente ausgedünnt.
Die Ursachen für die bei Dahlien häufig vorkommenden
Farbveränderungen sind:
Die Blüten degenerieren, verändern sich oder verblassen
(meist gegen Ende der Saison).
Die so genannten "Sektorial-Schimären":
Das sind Blüten, die zum "Spielen" neigen. Es sind fast immer mehrfarbige
Blüten, z.B. rot-gelb gestreifte Sorten, bei denen dann einzelne Blütenteile
oder ganze Teile der Blüten ganz in Rot oder umgekehrt ganz in Gelb erscheinen.
Es kommt manchmal vor, dass aus den gleichen Knollen Dahlien mit ganz
anderen Farben oder Blütenformen entstehen.
Wenn diese Veränderung dauerhaft bleibt, spricht man von einem
"Sport", einer so genannten Spontan-Mutation
im vegetativen Gewebe. Diese bewirkt eine echte, dauerhafte Farbveränderung
in den Genen der Pflanze. Plötzlich und ohne erkennbaren Anlass
erscheinen an einem Dahlienbusch Blüten, die mit der eigentlichen
Sorte nicht identisch sind.
Die Hauptgründe für Farbveränderungen sind also Mutationen.
Die Farbintensität selbst kann auch durch Temperatur,
Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit beeinflusst werden.
|
|
Die Knollenwurzeln der Dahlie sind als Speicherorgane
ausgebildete Wurzeln, keine Knollen mit Augen wie die der Kartoffel
(Solanum tuberosum).
|
|
Dahlienknollen bilden immer wieder neue Nebenknollen.
Der Rekord wurde 1935 mit 127 Nebenknollen an einer Hauptknolle festgestellt.
|
Eine Besonderheit der Dahlien ist das Fehlen jeglichen Duftes,
obgleich die Züchter mehrfach bemüht waren, diese Eigenschaft einzukreuzen.
|
|
Das Laub der Dahlien kann ganz verschiedene
Formen annehmen.
Besonders reizvoll und ausgefallen ist das gefächerte Laubwerk der‚
Bishop of Llandaff'. Die Farbskala des Dahlienlaubes reicht von hellgrün
bis schwarzgrün, einige Dahlien sind auch rotlaubig.
|
|
Quelle:
Auszug aus der Diplomarbeit von Sondra Anabel Kleinsorge:
Entwicklungsgeschichte und Alternative Nutzungsmöglichkeiten von Dahlia Cavanilles (1791)
|
|